Der einst boomende Automarkt in Russland wird nach Einschätzung des Händlerverbandes dieses Jahr um weitere zehn Prozent schrumpfen. Es wäre bereits der vierte Rückgang in Folge. Der Konsum in Russland ist angesichts der Wirtschaftskrise im Zuge des Ölpreisverfalls und der westlichen Sanktionen seit langem schwach. Verbandschefin Tatjana Lukowetskaja sagte Reuters am Dienstag, der gesamte Absatz könnte auf 1,3 Millionen Wagen fallen. 2012 waren es noch fast drei Millionen.

In Bejing ist die Faszination des Autos noch ungebrochen. - © Auto China
In Bejing ist die Faszination des Autos noch ungebrochen. - © Auto China

"Wenn Sie daran gewöhnt waren, Ihr Auto alle drei Jahre zu wechseln, werden sie es jetzt alle fünf Jahre wechseln", erläuterte Lukowetskaja. 2015 war der Autoabsatz um 36 Prozent auf 1,6 Millionen Stück eingebrochen. Im ersten Quartal 2016 betrug das Minus 17 Prozent.
Joint Ventures in China
In China wird hingegen der Automarkt immer nationaler. Die chinesischen Autohersteller behaupten sich in immer mehr Segmenten gegen Anbieter aus den Industrieländern. Der mit 21 Millionen Neufahrzeugen weltgrößte Automarkt nabelt sich immer stärker vom Ausland ab.
"Wir sehen jetzt, dass die heimischen Autobauer deutlich stärker wachsen als ihre internationalen Konkurrenten", sagte Björn Albert, Automobilexperte beim Kreditversicherer Euler Hermes. "Das hängt damit zusammen, dass immer mehr günstige Autos der Einstiegsklasse verkauft werden." Durch die wirtschaftliche Entwicklung können sich inzwischen immer mehr Chinesen einen Wagen leisten.
Am Markt für SUV, der zurzeit am stärksten wächst, trugen zuletzt sechs von zehn Neuwagen ein heimisches Label.
Auch bei einfachen Pkw ohne Schnickschnack haben Chinas eigene Autobauer mehr zu bieten als die ausländische Konkurrenz. Darauf stellt sich etwa Nissan aus Japan ein. "Wir haben das lange nicht kommen sehen, aber seit Anfang letzten Jahres passen wir unsere Strategie an", sagte Jun Seki, China-Chef von Nissan, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters auf der Messe Auto China in Peking. Es seien gemeinsam mit dem Joint-Venture-Partner Dongfeng mehrere Modelle unter der Einstiegsmarke Venucia geplant.
Die Regierung unterstützt das durch Steuervorteile für kleinere Autos. Von den westlichen Herstellern wird das Einstiegssegment, das etwa zehn Millionen Fahrzeuge ausmacht, kaum bedient. Der VW-Konzern etwa, der sich im Reich der Mitte mit General Motors ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Marktführerschaft liefert, hat zwar ein solches Auto für umgerechnet ab 10.000 Euro angekündigt. Der Wagen soll allerdings erst 2018 auf den Markt kommen. Ganz oben auf der China-Agenda steht derzeit eine "SUV-Offensive", wie VW-China-Chef Jochem Heizmann sagte.