Sollte die Agarwirtschaft aus dem Abkommen herausgenommen werden, was bliebe da noch für die USA? Was würden die USA denn sonst noch gerne zollfrei nach Europa exportieren?

Da gibt es genug. Etwa den Bereich Medizintechnik, da sind die USA sehr stark, genauso wie im Software-Bereich und bei wissenschaftlichen Messgeräten. Je nach Weltlage in den verschiedenen Bereichen, auch zum Beispiel am Chemikaliensektor. Chemikalien werden auch aus den USA exportiert, wenn sie gerade am Weltmarkt konkurrenzfähig sind.

Wenn man den Agrarbereich herausnähme, würde das Handelsvolumen empfindlich geschmälert werden?

Nicht einmal das. So groß ist der Agrarteil nicht. Das gilt besonders für Österreich. Die US-amerikanischen Agrarexporte nach Österreich sind relativ gering. Stark sind sie nur in verschiedensten Nischen - angefangen von kalifornischen Nüssen über kalifornischen Wein und diverse Produkte, die zusehends populärer werden, wie etwa Cranberries, Trockenfrüchte. Aber die Zahlen dieser Exporte sind nicht besonders hoch, und die Lieferungen nach Österreich sind da sowieso zu vernachlässigen.

Ein solcher einschneidender Schritt, die Landwirtschaft zu exkludieren, wird nicht von heute auf morgen passieren. Wann könnte TTIP abgeschlossen werden?

Das Aspen Institute, ein führender Think Tank der USA, geht davon aus, dass das Abkommen erst 2020 zustandekommt. Das halte ich für realistisch. US-Präsident Barack Obama hatte sich ja lange vorgestellt, dass es noch zu seiner Amtszeit passieren wird. Das war natürlich eine Illusion. Unsere Botschafterin Alexa Wesner hat auch geglaubt, dass sie, bevor sie mit Anfang des nächsten Jahres abreist, noch etwas bewirken kann. Die Botschafterin hat sich auch irrsinnig in Sachen TTIP bemüht, und soweit sie konnte, Aufklärungsarbeit geleistet: Sie hat mit allen NGOs gesprochen, mit Organisationen wie etwa der Landwirtschaftskammer und so weiter. Das hat halt nichts gebracht. Ich bin normalerweise ein positiv denkender Mensch, aber hier muss man realistisch sein und eher sagen, dass das, was ursprünglich an Abkommen geplant war, nicht funktionieren wird. Nur wäre es halt für den gesamten Welthandel sehr wichtig, dass wenigstens ein Teil doch noch unter Dach und Fach gebracht wird. Wenn man bedenkt, dass ein Abkommen noch durch alle Parlamente der EU-Mitgliedsländer gehen muss, ist 2020 realistisch, wenn man sich bis dahin einigen kann.

Das hängt wohl auf der anderen Seite auch davon ab, wer in den USA an der Spitze steht. Der voraussichtliche Kandidat der Republikaner, Donald Trump, hat sich kritisch gegenüber TTIP geäußert.

Donald Trump ist ein Populist, und macht jetzt Aussagen, die er wahrscheinlich später zurücknehmen muss. Wie die frühere US-Botschafterin in Österreich, Helene von Damm, schon gesagt hat: Trump würde sich nicht so benehmen, wenn er wirklich Präsident wäre. Aber ehrlich gesagt nehme ich nicht an, dass es einen Präsidenten Trump geben wird. Ich glaube, dass viele Republikaner nicht zur Wahl gehen werden. Die Demokraten werden dagegen alle wählen gehen, und daher glaube ich, dass die nächste Präsidentin der USA zu 95 Prozent Hillary Clinton sein wird.