Paris/Wien. (apa/sig) Befürworter der Energiewende dürfen sich über eine gute Nachricht freuen: Erneuerbare Energien wie Wind, Sonne und Wasser haben sich als wettbewerbsfähige Energiequellen in vielen Ländern etabliert - und sind weltweit auf dem Vormarsch. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des internationalen Netzwerks "REN21" hervor.

So war 2015 ein Rekordjahr für Investitionen in Erneuerbare und für die Installation von Anlagen zu ihrer Nutzung: Der Zubau für die Stromproduktion (inklusive Wasserkraft) hat mit 147 Gigawatt (GW) auf 1850 GW den größten Anstieg in seiner Geschichte verzeichnet. In Entwicklungs- und Schwellenländern stiegen die Investitionen stärker als in den entwickelten Ländern. Auch die Nutzung erneuerbarer Energien für die Wärmeerzeugung und im Verkehr hat zugenommen. Grund für den Anstieg von Investitionen in Erneuerbare, besonders in Wind- und Solarenergie, sind unter anderem politische Rahmenbedingungen. So gab es Anfang des Jahres in 173 Ländern Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien. 146 Staaten hatten politische Rahmenbedingungen für deren Ausbau eingeführt.

Konkurrent Fossilenergie

"Das wirklich Beeindruckende an diesen Ergebnissen ist, dass sie in einer Zeit erreicht wurden, als die Preise für fossile Energien einen historischen Tiefpunkt erreicht hatten und erneuerbare Energien in Bezug auf staatliche Subventionen immer noch benachteiligt waren", so die Generalsekretärin von REN21, die Österreicherin Christine Lins. Für jeden Dollar, der in Subvention von Erneuerbaren geflossen sei, seien fast vier Dollar ausgegeben worden, "um unsere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu erhalten".

Die weltweit installierte Stromerzeugungskapazität aus Erneuerbaren (ohne Wasserkraft) stieg um 120 GW auf 785, davon entfielen 433 (370) GW auf Windkraft, 227 (177) GW auf Photovoltaik und 106 GW auf Biomasse. Österreich lag bei den Sonnenkollektoren zur Warmwasseraufbereitung weltweit an achter Stelle der installierten Kapazität mit einem Anteil von 0,9 Prozent und an erster Stelle bei der installierten Kapazität pro Kopf.

Die Investitionen in Erneuerbaren-Anlagen zur Strom- und Treibstofferzeugung (ohne größere Wasserkraftwerke) stiegen um fünf Prozent auf 286 Milliarden Dollar (256,41 Milliarden Euro). Damit wurde der bisherige Rekordwert von 278,5 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2011 übertroffen. Werden Investitionen in Wasserkraftanlagen mit einer installierten Leistung von mehr als 50 Megawatt (MW) hinzugezählt, so erreichten die Investitionen (ohne Heizung und Kühlung) zumindest 329 Milliarden Dollar.

China als Vorreiter

Für den Chef der Österreichischen Energieagentur Peter Traupmann ist das Ergebnis eine Bestätigung des bisher eingeschlagenen Weges in Richtung Energiewende: "Aus heutiger Sicht mag die Hürde für eine neue nachhaltige Energieversorgung da und dort noch hoch liegen, doch Investitionen in Erneuerbare Energien weltweit, verbunden mit einer entsprechenden Steigerung der Energieeffizienz, sind der richtige Schritt, um den begonnenen Ausstieg aus fossiler Energie fortzusetzen", so Traupmann.

In neue Stromerzeugungskapazitäten (ohne Wasserkraftprojekte über 50 MW) flossen rund 266 Milliarden Dollar, das war das Doppelte der Investitionen in neue Gas- und Kohlekraftwerke (130 Milliarden Dollar). Erstmals hatten die Investitionen in Erneuerbare in Entwicklungsländern jene in den entwickelten Ländern übertroffen.

In den Entwicklungs- und Schwellenländern gab es einen Anstieg um 19 Prozent auf 156 Milliarden Dollar, wobei allein auf China rund 103 Milliarden Dollar (plus 17 Prozent) entfielen. In den entwickelten Ländern sanken die Investitionen in erneuerbare Stromerzeugung um acht Prozent auf 130 Milliarden Dollar. Dabei gab es in Europa einen Rückgang um 21 Prozent auf 48,8 Milliarden Dollar, in den USA ein Plus von 19 Prozent auf 44 Milliarden.