Bern/Zürich.Die Schweizer haben die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens abgelehnt. 76,9 Prozent der Wähler sprachen sich dem Endergebnis zufolge am Sonntag dagegen aus, dass jeder Erwachsene monatlich 2500 Franken (rund 2260 Euro) erhält - unabhängig davon, ob er arbeitet oder nicht. Mit dem Geld wollte eine Gruppe von Unternehmern, Akademikern und ehemaligen Politikern der Schweizer Bevölkerung "ein menschenwürdiges Dasein" und "die Teilnahme am öffentlichen Leben" ermöglichen.

Der Unternehmer Daniel Häni, der das Referendum angestoßen hatte, räumte seine Niederlage ein. Dennoch habe er moralisch einen Sieg errungen. "Als Geschäftsmann bin ich Realist und habe mit 15 Prozent Unterstützung gerechnet. Jetzt sieht es wie mehr als 20 Prozent oder vielleicht sogar 25 Prozent aus. Ich finde das sensationell", sagte er dem SRF.

Hintergrund der Initiative ist auch die Sorge, dass angesichts der fortschreitenden Automatisierung vieler Arbeitsbereiche mittelfristig zahlreiche Stellen verschwinden könnten. Die Gegner verwiesen auf die hohen Kosten. Die Regierung bezifferte diese auf 208 Milliarden Franken jährlich. Mit Ausnahme der Grünen lehnten alle großen Parteien den Vorstoß ab.

Regierung warnte vor den Kosten

Abgestimmt wurde über die Frage, ob jeder Erwachsene monatlich 2500 Franken (rund 2260 Euro) erhält - unabhängig davon, ob er arbeitet oder nicht. Die Regierung warnte dagegen vor Kosten von 208 Milliarden Franken jährlich. Mit Ausnahme der Grünen lehnten alle großen Parteien den Vorstoß ab.

Ein wichtiger Grund für die Ablehnung durch die Eidgenossen seien Unklarheiten und Zweifel bei der Finanzierung des Grundeinkommens gewesen, erklärte Claude Longchamp, der Leiter des Institus gfs.bern im Schweizer Fernsehen SRF.

Rund 66 Prozent akzeptieren schnellere Asylverfahren

Bei dem Schweizer Referendum wurde am Sonntag auch noch über andere Themen abgestimmt. 66,8 Prozent der Teilnehmer stimmten den amtlichen Angaben dafür, Asylverfahren deutlich zu beschleunigen. Statt derzeit durchschnittlich 400 Tage sollen sie künftig höchstens 140 Tage dauern. Die rechtspopulistische Schweizerische Volkspartei (SVP) hatte das Vorhaben entschieden abgelehnt.

62,4 Prozent der Referendumsteilnehmer stimmten für die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik unter bestimmten engen Voraussetzungen. Bei In-vitro-Befruchtungen an den Embryonen dürfen damit vor ihrer Einsetzung in der Gebärmutter Gentests vorgenommen werden, wenn ein Elternteil unter einer schweren Erbkrankheit leidet. Eigenschaften wie Geschlecht oder Haar- und Augenfarbe dürfen dabei nicht getestet werden.

Eine Initiative, mit der staatseigene Unternehmen wie die Post oder die Bahn verpflichtet werden sollen, Bürgerinteressen vor das Streben nach Profit zu stellen, wurde abgelehnt. Zu einem Vorschlag zur Neustrukturierung der Straßenbaufinanzierung sagten 70,8 Prozent "Nein". Volksentscheide sind in der Schweiz bindend.