Frankfurt. Stimmungsumschwung bei den Brexit-Umfragen und an den europäischen Börsen: Da das Lager der EU-Befürworter offenbar wieder Zulauf bekommt, setzten Anleger am Montag auf einen Verbleib Großbritanniens in der Staatengemeinschaft und deckten sich mit Pfund Sterling und Aktien ein. Die britische Währung verteuerte sich um knapp drei US-Cent auf 1,4638 Dollar. Damit steuerte sie auf den größten Tagesgewinn seit den Turbulenzen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 zu.

"Das ist eine Erleichterungs-Rally", sagte Marktstratege Heino Ruland vom Brokerhaus ICF. "Die Finanzmärkte hängen mittlerweile ausschließlich an den Brexit-Umfragen." In den ersten Erhebungen nach der Ermordung der britischen Parlamentarierin und EU-Befürworterin Jo Cox vergangene Woche lagen die Brexit-Gegner wieder knapp vorn.

"Vielleicht ist dies das erste Zeichen dafür, dass - wie von Umfrage-Experten stets betont - das ‚Weiß nicht‘-Lager historisch betrachtet in den Tagen vor einem Referendum zum Status quo tendiert", sagte Derek Halpenny, Chef-Analyst für Europa bei der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ. Joe Rundle, Chef-Händler des Brokerhauses ETX Capital, warnte allerdings vor überzogenen Erwartungen. "Meinungsumfragen sind nicht in Stein gemeißelt und können sich in den kommenden Tagen schnell ändern." Die Briten stimmen am Donnerstag über den Brexit ab. In den vergangenen Wochen hatten die EU-Gegner kontinuierlich Zulauf erhalten. Die Kosten für eine Absicherung gegen Pfund-Turbulenzen in den Tagen rund um das Brexit-Referendum gingen am Montag zwar um etwa ein Viertel zurück. Sie lagen aber immer noch mehr als vier Mal so hoch wie vor einem Monat.

Im Windschatten des Pfund legte auch der Euro zu und verteuerte sich um einen guten halben US-Cent auf 1,1332 Dollar. Europäische Aktien waren ebenfalls begehrt. DAX und EuroStoxx50 stiegen um jeweils etwa 3,5 Prozent auf 9966 und 2943 Punkte. Der Londoner Auswahlindex FTSE gewann 3,2 Prozent.

Am Rohstoffmarkt verteuerte sich die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um zwei Prozent auf 50,14 Dollar je Barrel (159 Liter). Das wichtige Industriemetall Kupfer kostete mit 4593 Dollar je Tonne rund ein Prozent mehr als am Freitag.

Die "Antikrisen-Währung" Gold warfen Investoren dagegen aus ihren Depots. Der Preis des Edelmetalls ging um 1,4 Prozent auf 1280,80 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zurück. Der Bund-Future, der auf der ebenfalls als sicher geltenden zehnjährigen Bundesanleihe basiert, rutschte um 40 Ticks auf 164,47 Punkte ab.