Aufspaltung Großbritanniens möglich

Auch das Vereinigte Königreich könnte in Folge eines Brexit auseinanderbrechen. Die Mehrheit der Schotten sei laut Umfragen für die Beibehaltung der EU-Mitgliedschaft. Tritt England nun aus der EU aus, würden die Schotten möglicherweise ein weiteres Referendum über ihren Austritt aus Großbritannien starten. Mit Schottland, Nordirland und Wales gebe es unterschiedliche Autonomieabkommen, die sich alle auf EU-Recht berufen würden. Wenn England nicht mehr bei der EU sei, gebe es daher verfassungsrechtliche Probleme, ob die Autonomieabkommen weiter halten würden.

Wenn in Europa der Nationalismus wieder überhand nehme, führe das im schlechtesten Fall dazu, dass die EU in 28 Staaten zerfalle, oder eine Kern-EU mit ein paar Ländern entstehe, aus der die kleineren und peripheren Länder draußen bleiben, entwirft Bayer ein Zukunftsszenario. Die Gefahr sei, dass EU-Referenden als Denkzettel gegen die eigene Regierung bzw. gegen die Globalisierung ausarten würden, dann wären die nationalistischen eu-feindlichen Kräfte schwer zu bremsen.

Die EU, wie sie bisher war, werde sich sicher weiterentwickeln müssen, meint Bayer. Auch wenn die Befürworter der EU das Referendum gewinnen sollten, werde England nicht locker lassen, um Änderungen im EU-Vertrag zu erreichen. Und auch in den anderen Ländern sei die EU-Skepsis massiv angestiegen. "Wenn man zu einer grundlegenden EU-Diskussion kommt, wäre das nicht das Schlechteste", meint der Experte. Ein völliger Zerfall der EU würde die Bedeutung Europas in der Weltpolitik und der Wirtschaftswelt minimieren - "das ist schon sehr gefährlich".