Prag. Vor allem dank des guten Wirtschaftswachstums ist die Arbeitslosigkeit in Tschechien heuer deutlich gesunken. Ende Juli war die Arbeitslosenquote mit 5,4 Prozent um 0,9 Prozentpunkte niedriger als vor einem Jahr. Tschechien habe die zweitniedrigste Arbeitslosigkeit in der EU, betonte die Arbeitsmarkt-Behörde in Prag am Montag.

Nach EU-Berechnungsmethode hatte Tschechien im Juni eine Arbeitslosenrate von 4,1 Prozent - nur Malta hatte mit 4,0 Prozent einen niedrigeren Wert.

Zwar gab es gegenüber dem Vormonat Juni einen leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit, doch das sei eine im Sommer übliche Entwicklung, erläuterte die Leiterin der tschechischen Arbeitsämter, Katerina Sadilkova. Einerseits würden sich Schul- und Uni-Absolventen bei den Arbeitsämtern anmelden, andererseits würden die Unternehmen in der Urlaubszeit ihre Aktivitäten zurückfahren.

Im vergangenen Jahr ist die tschechische Wirtschaft um 4,5 Prozent gewachsen. Heuer dürfte die Wirtschaftsleistung nicht mehr so stark zulegen, weil einmalige Faktoren wie die verstärkte Ausschöpfung der EU-Fördertöpfe wegfallen. Die Stimmung der Unternehmen ist aber nach wie vor gut und sie suchen zusätzliche Arbeitskräfte.

Laut einer Analyse der Leiharbeitsfirma Manpower herrscht in manchen Branchen schon ein Mangel an Fachkräften - sowohl Akademiker als auch Handwerker werden händeringend gesucht.

"Der Mangel zeigt sich sogar schon bei Mitarbeitern, die fast keine Qualifikation haben", sagte die Manpower-Chefin in Tschechien, Jaroslava Rezlerova. "Das ist ein Trend, den die Tschechische Republik in den letzten Jahren nicht kannte." Im Juli gab es bei den tschechischen Arbeitgebern 135.758 offene Stellen - das waren um 37.700 mehr als vor einem Jahr und der höchste Wert seit September 2008.

Die tschechische Wirtschaft kämpft vor allem mit der Abwanderung junger und hochqualifizierter Arbeitskräfte, die im Ausland mehr verdienen können.

Laut einer Analyse des Internationalen Währungsfonds (IWF) sind in den vergangenen 25 Jahren rund 20 Mio. Menschen aus den Ländern Mittel- und Osteuropas ausgewandert. Tschechien war durch die Nachbarschaft zu Deutschland und Österreich besonders stark betroffen.