Düsseldorf/Linz.  Der Chef des Weltstahlverbands Wolfgang Eder bringt auch Standortschließungen in der kriselnden Branche ins Spiel. "Wir müssen als Unternehmen den Mut aufbringen, auch Standorte zu schließen und Kapazitäten anzupassen. Sonst werden wir unsere Probleme nie lösen", sagte Eder dem "Handelsblatt". Der Manager ist auch Chef des österreichischen Stahlkonzerns Voestalpine.

"Ich würde mir von vielen Unternehmen mehr Mut gegenüber der Politik wünschen, auf das wirtschaftlich Notwendige, letztlich Unvermeidliche zu verweisen", sagte er weiter. "Dieser oft quälend lange Sterbeprozess von Unternehmen ergibt doch keinen Sinn - am wenigsten für dadurch permanent verunsicherte Mitarbeiter."

Die Stahlbranche in Europa leidet seit der Finanzkrise 2008 unter Überkapazitäten und einem erheblichen Preisdruck. Im vergangenen Jahr verschärfte sich die Lage, als das weltgrößte Erzeugerland China angesichts der schwächelnden heimischen Nachfrage massenhaft Stahl auf den Weltmarkt brachte. Europäische Hersteller warfen chinesischen Stahlkonzernen Preisdumping vor.

"Wenn wir da in Europa nicht mehr Realitätsbewusstsein schaffen, werden wir gegenüber anderen Regionen der Welt auf der Strecke bleiben", sagte Eder laut Zeitung. Die EU-Kommission hatte zuletzt etwa Anfang August neue Strafzölle bekanntgeben. Eder: "Ich bin kein Freund von Anti-Dumping-Maßnahmen. Das entspannt die Situation nur vorübergehend, löst aber nicht die Probleme."