Frankfurt. Schon wieder schlechte Nachrichten für die Deutsche Bank: 14 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro) will das US-Justizministerium von Deutschlands größtem Geldhaus als Wiedergutmachung für Tricksereien auf dem amerikanischen Immobilienmarkt. Vorstandschef John Cryan arbeitet an einer Gegenofferte und geht davon aus, den Betrag in den nun anlaufenden Marathon-Sitzungen noch drücken zu können. "Die Deutsche Bank erwartet ein Verhandlungsergebnis, das im Bereich ihrer Wettbewerber liegt, die sich mit dem US-Justizministerium bereits auf deutlich niedrigere Beträge geeinigt haben", erklärte das Institut.

Auch Investoren wünschen sich nichts sehnlicher. Von der Zuversicht ließen sie sich jedoch nicht anstecken. Die Deutsche-Bank-Aktie verlor am Freitag zeitweise acht Prozent und zog andere Finanztitel ins Minus. Selbst ein Drittel der angedrohten Summe wäre eine schwere Last für eine Firma mit einem Börsenwert von nur noch 18 Milliarden Euro, rechnete Analyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital vor.

Risiken weitergereicht


Das Hypothekenthema betrifft nicht nur die Deutsche Bank. Viele Großbanken hatten auf dem US-Immobilienmarkt über Jahre prächtig verdient. Sie reichten Hypotheken an mittellose Familien aus und blähten damit ihr Kreditgeschäft auf. Die Risiken wurden dann an Investoren weitergereicht - in Form von hochkomplexen Anleihen, die den Banken hohe Gebühren einbrachten. Als der Markt 2007 kollabierte, erwiesen sich diese Bonds als wertlos. Viele Käufer fühlten sich betrogen und klagten erfolgreich gegen die Banken.

Insgesamt lasten rund 1000 Rechtsstreitigkeiten auf dem Institut, das von früherer Geschäftspraxis eingeholt wird. Beim aktuell zweiten großen Fall hat die Deutsche Bank Kunden in Russland geholfen, Rubel-Schwarzgeld in Höhe von rund zehn Milliarden Dollar zu waschen. Das US-Justizministerium und die Finanzbehörde von New York prüfen außerdem, ob die Bank gegen Sanktionen verstoßen hat. Dabei geht es auch um die Frage, ob Geschäfte mit Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin gemacht wurden und ob die Bank intern geeignete Vorkehrungen getroffen hat, um solche Verstöße zu verhindern. Sanktionsverstöße könnten die Strafe exorbitant nach oben schießen lassen.

Schon länger steht die Deutsche Bank im Verdacht, gegen Sanktionen verstoßen zu haben, die die USA in der Vergangenheit gegen Länder wie den Iran verhängt haben. Aufseher gehen zudem dem Verdacht nach, dass Banken am billionenschweren Devisenmarkt ebenfalls getrickst haben. Einige internationale Großbanken haben in der Sache bereits milliardenschwere Vergleiche geschlossen, die Deutsche Bank als einer der größten Devisenhändler der Welt nicht.

Libor-Sammelklagen möglich


Bereits gezahlt hat die Deutsche Bank 725 Millionen Euro wegen der Manipulation wichtiger Referenzzinssätze wie Euribor und Libor. Verhängt wurde die Strafe von der EU-Kommission. Die Behörden in Großbritannien und den USA brummten der Bank zusätzlich eine Strafe in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar auf. Und in den USA könnten auch noch Sammelklagen von Anlegern gegen die Bank zugelassen werden.