Washington. (reuters) Ein bisher beispielloser Datendiebstahl stürzt den Internet-Pionier Yahoo noch tiefer in die Krise. Nach Bekanntwerden eines erfolgreichen Hackerangriffs auf mindestens 500 Millionen Nutzerkonten muss die angeschlagene Firmenchefin Marissa Mayer um die vereinbarte Milliardenübernahme durch den US-Telekomriesen Verizon kämpfen. Analysten gehen zwar nicht davon aus, dass der Käufer den Deal abbläst. Es wird allerdings erwartet, dass Verizon nun einen spürbaren Preisnachlass durchsetzen will. Die Verizon-Führung hält sich bedeckt: "Wir werden im Fortgang der Ermittlungen eine Bewertung vornehmen, die sich nach den Gesamtinteressen von Verizon orientiert", hieß es in einer Mitteilung. An der Börse wuchsen am Freitag die Sorgen um Yahoo. Im vorbörslichen New Yorker Handel verloren die Yahoo-Aktien 2,7 Prozent.

Sicherheitsfachleute werten die Cyberattacke aus dem Jahr 2014 als neue Eskalationsstufe. "Das ist der größte Datendiebstahl aller Zeiten", sagte der Verschlüsselungsexperte Bruce Schneier. So wurden mehr als drei Mal so viele Informationen geklaut wie bei anderen Großangriffen, etwa auf die Shopping-Plattform eBay. Schneier betonte, die Auswirkungen auf Yahoo und die Nutzer blieben unklar. Offen sei etwa noch die Frage, wer hinter der Aktion steckt. Das Unternehmen selbst sprach von einem Angreifer, der von einem Staat unterstützt worden sei. In US-Geheimdienstkreisen wurde an ähnliche Attacken erinnert, die auf eine Beteiligung russischer Nachrichtendienste hindeuteten.

Für Yahoo kommt der Angriff zur Unzeit. Erst im Juli hatte die kriselnde Internetfirma mit Verizon die Übernahme ihres Kerngeschäfts für 4,8 Milliarden Dollar vereinbart. Yahoo-Chefin Marissa Mayer war es zuvor nicht gelungen, das von den Rivalen Google und Facebook an den Rand gedrängte Unternehmen wieder in die Erfolgsspur zu bringen.

Heikel ist, dass der Angriff nach Firmenangaben zwei Jahre lang unbemerkt blieb.

Verizon gab an, erst vor zwei Tagen von Yahoos Problemen erfahren zu haben. Das wirft die Frage auf, wie der Telekomkonzern die Übernahmevereinbarung inzwischen bewertet. Analyst Robert Peck von der Investmentbank SunTrust Robinson Humphrey geht nicht davon aus, dass Verizon von der Transaktion zurücktreten wird. Möglich sei allerdings, dass der Käufer den Preis um 100 bis 200 Millionen Dollar drücken wolle - abhängig davon, wie viele Nutzer Yahoo den Rücken kehren.

Nach Angaben von Yahoo wurden Daten zu Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Geburtstagen gestohlen, nicht jedoch wertvollere Informationen wie unverschlüsselte Passwörter, Kreditkarten- und Kontodaten. Problematisch könnte es für Nutzer aber werden, wenn sie ihre für das Yahoo-Konto genutzten Sicherheitsfragen und -antworten auch für andere Internetseiten verwenden.