• vom 29.09.2016, 17:19 Uhr

International

Update: 29.09.2016, 20:02 Uhr

Basel

Der Drall in den Schatten




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  • Die EU fordert Änderungen bei den globalen Banken-Regeln. Klassische Banken könnten dadurch ins Straucheln kommen.

Schattenbanken reagieren noch sensibler auf Geldpolitik als bisher gedacht. - © Reuters/ Yuya Shino

Schattenbanken reagieren noch sensibler auf Geldpolitik als bisher gedacht. © Reuters/ Yuya Shino

Brüssel/Washington. (wak/reu) Europa geht im Streit mit den USA über ein weltweites Regelwerk für Banken auf die Barrikaden. Die bisherigen Vorschläge seien nicht akzeptabel, weil dadurch die Kapitalanforderungen für europäische Geldhäuser in allen Bereichen deutlich steigen würden, kritisierte EU-Finanzmarktkommissar Valdis Dombrovskis am Donnerstag in Brüssel. Eine übermäßige Belastung europäischer Banken müsse aber verhindert werden. "Wir können keine Lösung unterstützen, die dazu führt, dass die Finanzierung der europäischen Wirtschaft über Gebühr erschwert wird."

Bei den neuen Regeln, die in der Branche "Basel IV" genannt werden, geht es vor allem darum, wie viel Eigenkapital Geldhäuser für Kredite und andere Geschäfte zur Seite legen müssen. Was Eigenkapital ist und was nicht, ist Gegenstand von dem aktuellen globalen Abkommen Basel III. In der EU wird dies mittels Verordnung über die Kapitalanforderungen Schritt für Schritt umgesetzt. Viele Großbanken berechnen dies nun mit internen Modellen.


Diesen wollen die Amerikaner nun enge Grenzen setzen. Alleine für die 17 größten deutschen Banken könnte dadurch ein zusätzlicher Kapitalbedarf von 78 Milliarden Euro entstehen, warnte der Bankenverband kürzlich.

Finanzmarktkommissar Dombrovskis betonte, eine Einigung auf weltweite Bankenregeln im Basler Ausschuss sei wichtig, Europa könne aber nur unter bestimmten Bedingungen zustimmen. Zu klären sei unter anderem der Umgang mit Immobilien- und Firmenkrediten sowie mit Infrastrukturfinanzierungen. Die EU-Kommission unter Präsident Jean-Claude Juncker hat mehrfach betont, ihren Fokus stärker auf Wachstum zu legen und Finanzmarktregeln auf deren Verhältnismäßigkeit zu prüfen.

Grundsätzlich herrscht in Europa die Ansicht, dass Banken ihre Kreditrisiken selbst am besten einschätzen können. Sinnvoll sind demnach interne Modelle, die unter anderem auf Kreditausfällen in den zurückliegenden Jahren basieren. US-Regulierer hegen dagegen den Verdacht, dass Banken sich auf diese Weise ihre Risiken schönrechnen. Durch den Einsatz interner Modelle brauchen Großbanken meist weniger Kapital als mit dem Standardansatz. Viele europäische Institute profitieren davon, weil Immobilien- und Unternehmenskredite in ihren Ländern im Vergleich selten ausfallen. "Wir wollen es so beibehalten", sagte Dombrovskis.

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Dokument erstellt am 2016-09-29 17:23:05
Letzte Änderung am 2016-09-29 20:02:13



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