Ein Kompromiss beim Einsatz interner Modelle könnte die Einführung einer Untergrenze (Floor) sein. Dadurch könnte verhindert werden, dass Banken ihre Risiken mit internen Modellen zu stark herunterrechnen. Dombrovskis äußerte sich dazu jedoch skeptisch: Auch das sei kein notwendiger Teil des Regelwerks. Mehrere europäische Banker begrüßten die deutlichen Worte des EU-Kommissars. Eine denkbare Lösung sei, dass Europa die Basel-Vorgaben lediglich als grobe Richtlinie ansehe und flexibel umsetze, sagte ein Bankenvertreter.

Schattenbanken reagieren sensibler auf Veränderung

Die Befürchtung, dass zumindest große Unternehmen sich ihr Geld nicht mehr von Banken holen, sondern über Anleihen von "Nicht-Banken", also sogenannten Schattenbanken, wie Investmentfonds oder Pensionsfonds, ist begründet. Der "Globale Finanzstabilitätsbericht" des Internationalen Währungsfonds IWF erklärt in seiner aktuellen Ausgabe, dass sich die Struktur der Finanzmärkte tiefgreifend geändert hat. Sowohl Innovationen als auch im Zuge der Wirtschaftskrise abgespeckte Bankbilanzen und strengere Regulierungen haben alle dazu geführt, dass es eine starke Verlagerung von Bankkrediten hin zur Begebung von Anleihen gegeben hat. "Das hat zu einer größeren Rolle von Nicht-Banken geführt, wie Versicherungsgesellschaften, Pensionsfonds und Finanzdienstleistern." Diese Schattenbanken waren bereits seit langem sehr wichtig in den USA, und sind nun "signifikant wichtiger in Europa sowie in einigen Schwellenländern" geworden.

Das führt zu einer Summe von neuen Problemfeldern: Nicht-Banken würden generell viel sensibler auf Markttendenzen reagieren als normale Geldinstitute. Und während die Finanzwelt lange gedacht hat, dass sich die Zinspolitik der Notenbanken nicht auf die Schattenbanken auswirkt, haben die Ökonomen des IWF nun das Gegenteil herausgefunden: Nicht-Banken reagieren noch sensibler auf die Veränderungen bei der Geldmenge. IWF-Ökonom Gaston Gelos vergleicht die neuen Geldquellen mit Autos: "Man könnte sagen, Nicht-Banken machen den Motor des Finanzmarkts stärker, aber auch die Bremsen empfindlicher." Sie stoßen etwa ihre Anleihen im Anlassfall schnell ab, reagieren empfindlich auf Marktveränderungen, gehen höhere Risiken ein und verhandeln, anders als Banken, nicht über die Rückzahlung der Schulden.