Frankfurt. (wak) Der Ruf ist an den Finanzmärkten das wertvollste Gut. Die Branche arbeitet schließlich mit Krediten, Absicherungen und Leerverkäufen, sowie Derivaten auf dieselben und auf noch viel mehr. Wächst das Misstrauen, wird alles sofort eingepreist - und teurer. Und oft braucht es nicht viel, damit Misstrauen wächst. Misstrauen über die Liquidität kann so weit führen, dass Anleger ihre Gelder abziehen, um diese nicht zu gefährden. Und das kann schließlich den Todesstoß bedeuteten.

Deutschlands größtes Geldinstitut, die Deutsche Bank, kämpft derzeit gerade mit einem Strudel von Gerüchten - und Geldabflüssen. Der Konzernumbau, die ungedeckten Kredite, die Lawine an Schadenersatzzahlungen haben die Deutsche Bank in die erhöhte Aufmerksamkeit der Anleger gerückt.

Nachdem eine Woche lang die Kurse der Deutschen Bank ins Bodenlose gerutscht sind, stand am Freitag der Kurs der Aktie so tief wie noch nie zuvor. Zeitweise fiel der Titel um neun Prozent auf ein Rekordtief von 9,90 Euro - und damit unter die sogenannte psychologisch wichtige Marke von zehn Euro. Die Angst einer weltweiten Bankenkrise ging erneut um. Lehman Brothers wurde in dem Zusammenhang mehr als einmal zitiert. Einige Webseiten legten Aktienkurse der beiden Institute übereinander, die Botschaft war für einige klar: Game over für die Deutsche Bank.

Am Mittwoch hatte die Zeitschrift "Die Zeit" online sogar kolportiert - ohne Angaben von Quellen -, dass die deutsche Bundesregierung an einem Plan arbeite, der Deutschen Bank mit Staatshilfen unter die Arme zu greifen. Das darauffolgende Dementi des Bundesfinanzministeriums war eindeutig und mit dem Kanzleramt, der Bankenaufsicht und auch der Deutschen Bank abgestimmt: "Die Bundesregierung bereitet keine Rettungspläne vor." Die anderslautende Meldung der "Zeit" in dieser Woche sei "falsch". Die klare Reaktion bedeutet freilich nicht, dass die Regierung Deutschlands größtes Geldhaus einfach fallenlassen würde, falls es seine Probleme nicht mehr alleine lösen könnte. "Jeder weiß um die Bedeutung der Bank", betont ein Regierungsvertreter. Rechtlich wäre ein begrenzter Einstieg des Staates wohl möglich. Ein Jahr vor der Bundestagswahl will die Regierung eine Rettung mit Steuermilliarden aber unbedingt vermeiden.

Der aktuelle Auslöser für die nervöse Behandlung des ehemaligen Vorzeigeinstituts war ein Bericht, demzufolge das Geldhaus Kunden aus der Hedgefonds-Branche verliere. Laut der Nachrichtenagentur AFP waren es konkret zehn Hedgefonds, die ihre Beteiligung an der Deutschen Bank ganz oder teilweise reduziert haben. Zu ihnen gehören Millennium Partners, Capula Investment und Rokos Capital Management.

Marktanalyst Heino Ruland mahnte zur Besonnenheit. "Dramatisch wird es erst, wenn andere Kunden wie Vermögensverwalter oder Firmen der Deutschen Bank den Rücken kehren." Seine Kollegen von der US-Bank JPMorgan warnten, dass ein größerer Exodus eine Kapitalerhöhung notwendig machen könne.

Absicherung von Anleihen verteuerte sich gewaltig


Die Nervosität der Anleger spiegelte sich auch am Markt für Credit Default Swaps (CDS) wider. Die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets von Anleihen der Deutschen Bank gegen Zahlungsausfall verteuerte sich laut Datenanbieter Markit um 21.000 auf 255.000 Euro.

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass just ein Institut, dem in vergangenen Jahren immer wieder Spekulationen vorgeworfen worden sind (unter anderem durch Derivate auf Nahrungsmittelpreise), nun für den eigenen Niedergang den Spekulanten die Schuld gibt. "Unsere Bank ist Gegenstand heftiger Spekulationen geworden, immer neue Gerüchte führen dazu, dass unser Aktienkurs inzwischen heftigen Ausschlägen unterliegt", schreibt Deutsche-Bank-Chef John Cryan in einem Brief an die Mitarbeiter. Am Markt seien Kräfte unterwegs, die das Vertrauen in das Geldhaus schwächen wollten. "Unsere Aufgabe ist es nun dafür zu sorgen, dass diese verzerrte Außenwahrnehmung unser Tagesgeschäft nicht stärker beeinflusst." Die Deutsche Bank verfüge über ein starkes Fundament, erklärte Cryan. "Wir erfüllen alle aktuellen Eigenkapitalanforderungen und sind bei unserem Umbau im Plan." Die Markt- und Kreditrisiken seien in den vergangenen Jahren deutlich reduziert worden. "Zu keinem Zeitpunkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten war die Deutsche Bank, was ihre Bilanz angeht, so sicher wie heute." Mit Liquiditätsreserven von mehr als 215 Milliarden Euro habe die Bank "einen überaus komfortablen Puffer".

Nach Kursstürzen kam die Einigung mit der US-Justiz


Während die Kurse am Fallen waren, verordneten sich am Freitag die offiziellen Stellen in Deutschland einen Maulkorb und lehnten aktuelle Kommentare zur Lage der Bank ab. Man darf davon ausgehen, dass im Hintergrund fieberhaft nach einer Lösung gesucht wurde. Im Windschatten der Deutschen Bank stürzte auch die Commerzbank ab und im weiteren Verlauf würde sich das auf die gesamte Branche auswirken. Wollte man wirklich ein zweites Lehman-Brothers-Debakel, schien die Frage zu sein, die auf dem Tisch lag.