• vom 07.11.2016, 18:54 Uhr

International


Dollar

Die US-Präsidentschaftswahl und das Dollar-Risiko




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  • Ob Trump oder Clinton die Wahl gewinnt, wirkt sich auch auf die Finanzmärkte aus. Sie bevorzugen Clinton, fürchten aber einen starken Dollar.

New York/Wien. (ast) Die Währungskurse des US-Dollar und des Mexikanischen Peso dienten im US-Präsidentschaftswahlkampf als regelrechte Wahlbarometer. Seit Mai dieses Jahres hat der US-Dollar wieder zugelegt, wohl auch vor dem Hintergrund der sich immer stärker für Dezember abzeichnenden Leitzinserhöhung der Federal Reserve (Fed). Seit ihrem Tiefstand im Mai nahm die Währung um sieben Prozent zu - im Gegensatz zu anderen Währungen, wie dem Euro oder Yen.

Der Dollar reagierte damit aber auch auf die Umfragewerte der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton. Die Währungskurse spiegeln nämlich die Umfragewerte der Kandidaten wider. Steigen die Gewinnchancen von Clinton, erholt sich neben dem Dollar auch der Mexikanische Peso. Die mexikanische Währung reagiert wegen zahlreicher Punkte im Wahlprogramm des republikanischen Kandidaten Donald Trump positiv auf die Kandidatin der Gegenseite. Mehrfach sprach sich der Republikaner für eine harte Abgrenzungspolitik zum südlichen Nachbarn - bis hin zum Bau einer Grenzmauer - aus. Der amerikanische Dollar profitierte am Montag zudem von den neuen Äußerungen des FBI, welche die Demokratin bezüglich der E-Mail-Affäre entlasteten. Die Währung sprang kurz darauf gar um 0,77 Prozent in die Höhe.


Märkte bevorzugen Clinton
An den Aktienmärkten bevorzugen die Investoren die Demokratin Hillary Clinton vor Donald Trump. Der Republikaner ist unberechnbar - ein Risiko für Investoren und die Finanzmärkte. Seine wirtschaftspolitischen Pläne könnten die US-Wirtschaft und die Märkte vor große Probleme stellen.

Sollte Trump die Wahl für sich entscheiden, hat er bereits angekündigt das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) mit Kanada neu verhandeln zu wollen und auch die Handelsbeziehungen zu China und Mexiko zurückzudrängen. Der Kanadische Dollar reagierte bereits im Wahlkampf verstimmt auf Trumps Äußerungen und Umfragezuwächse.

Investoren befürchten, dass darunter die US-Wirtschaft stark leiden wird - sie scheuen das Risiko, ihr Geld wird aus den USA in Folge abgezogen. Experten, wie Helmut Hofer vom IHS (Institut für Höhere Studien) rechnen mit einer volatilen Kursentwicklung und langfristig eher mit einem schwachen Dollar, sollte Trump US-Präsident werden. Clinton hingegen steht für Stabilität, mit ihr als künftiger Präsidentin "ändert sich nicht viel", sagt Hofer. Auch wenn sich die Demokratin für umfangreichere öffentliche Investitionen stark macht, rechnen Experten insgesamt mit einer steigenden Attraktivität des Dollars, sollte sie ins Weiße Haus einziehen.

Starker Dollar, weniger Exporte
Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen International hält dies für einen starken Indikator, dass die Fed den Leitzins im Dezember anheben wird. Denn die Ziele im Hinblick auf Arbeitsmarktzahlen und der Inflation seien in den USA erfüllt. Ein eher unwahrscheinlicher Sieg Trumps mit seinen protektionistischen Wirtschaftsplänen würde für Turbulenzen sorgen und die erwartete Erhöhung der Fed weiter hinauszögern, so Brezinschek.

Ein starker Dollar freut die Unternehmer in den USA weniger - dies bedeute eine niedrigere Exportrate und ein niedrigeres BIP-Wachstum. Eine schwächere Rohstoffnachfrage, da diese meist in US-Dollar gehandelt werden und entsprechend teurer werden, wird damit ebenfalls erwartet.

Auch die Schwächung der chinesischen Währung wäre eine unerwünschte Begleiterscheinung eines erstarkenden US-Dollars. Chinesische Produkte werden günstiger und der Wirtschaftsriese kann entsprechend mehr exportieren - bei gleichzeitig zunehmendem, weltweiten Deflationsdruck. Die jüngst fallenden chinesischen Währungsreserven werden bereits als Warnsignal gehandelt. Ein starker US-Dollar bedeutet für die Konsumenten in den Vereinigten Staaten hingegen, dass sie sich mehr leisten können, so Hofer. Importe aus dem Ausland und der Binnenkonsum steigen.




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Dokument erstellt am 2016-11-07 18:59:07


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