New York. Die Kurse amerikanischer Staatsanleihen haben am Tag der US-Präsidentschaftswahl nachgegeben. Wie schon zum Wochenauftakt litt die Attraktivität der als sicher geltenden, festverzinslichen Wertpapiere am Dienstag darunter, dass die von den Finanzmärkten favorisierte Demokratin Hillary Clinton auch in den Umfragen knapp vor ihrem demokratischen Konkurrenten Donald Trump liegt. Dagegen ging es an der Wall Street weiter bergauf.

Zweijährige Anleihen verloren 3/32 Punkte auf 99 25/32 Punkten und rentierten mit 0,86 Prozent. Fünfjährige Anleihen sanken um 8/32 Punkte auf 99 18/32 Punkte. Sie rentierten mit 1,34 Prozent. Richtungweisende zehnjährige Anleihen verloren 12/32 Punkte auf 96 23/32 Punkte und rentierten mit 1,87 Prozent. Longbonds mit einer Laufzeit von dreißig Jahren büßten 19/32 Punkte auf 92 4/32 Punkte ein. Sie rentierten mit 2,63 Prozent.

 Kurssturz möglich

Händler gehen davon aus, dass es am Mittwoch an den US-Aktienmärkten zu Kursausschlägen von zwei Prozent nach oben oder unten kommen könnte. Im Falle eines Siegs von Trump halten die Experten von Citigroup sogar einen Kurssturz des S&P-500 von drei bis fünf Prozent für möglich.

Die US-Investmentbank Morgan Stanley baut vor: Hier sollen Händler sogenannte Stop-Loss-Order prüfen, wenn es zu besonders starken Kursausschlägen kommt, wie aus einem internen Papier der Bank hervorgeht. Dabei handelt es sich um automatisierte Handelsaufträge, bei denen Aktienpositionen verkauft werden, sobald ein bestimmtes Kursniveau erreicht wird. JP Morgan hält nach Auskunft eines Sprechers in der Wahlnacht in New York zusätzliche Händler bereit. Sie sollen die Teams in Asien unterstützen, sollten die Handelsvolumina in die Höhe schießen. Ähnliche Pläne gibt es bei der Citigroup und der britischen Großbank HSBC, die einen besonders starken Fokus auf Asien hat.

Auch Beratungen mit großen Kunden unmittelbar nach der Wahl sind bei einigen Häusern geplant. Unter anderem Bank of America und Wells Fargo haben Telefonkonferenzen mit Managern der Vermögensverwaltung angesetzt.

Unsicherheit

Nach Einschätzung des Brokerhauses Nomura bringt die US-Wahl so viel Unsicherheit für die Märkte mit sich, wie es sie seit der Finanzkrise nicht mehr gegeben hat. Die Experten gehen davon aus, dass die Aktienmärkte in Asien bei einem Sieg Trumps sogar um mehr als sechs Prozent einbrechen könnten. Der Ausgang der US-Wahl gilt in der gesamten Region als viel entscheidender als das Brexit-Votum, das vor allem Europa tangiert.

Trotz dieser Aussichten sind die deutschen Großbanken nicht im Krisenmodus. Die Deutsche Bank und die Unicredit-Tochter HVB haben keine besonderen Notfallpläne ausgearbeitet, wie es hinter vorgehaltener Hand heißt. Offiziell wollten sich die beiden Institute nicht zu dem Thema äußern. Ein Sprecher der Commerzbank sagte: "Wir stellen uns in den Handelsbereichen und im Risikomanagement personell entsprechend auf."

Die Deutsche Börse sieht sich gut gerüstet, sollte es wie damals beim Brexit wieder zu großen Kursausschlägen und einer massiven Auslastung der Systeme kommen. So gibt es im Xetra-Handel die sogenannte Volatilitätsunterbrechung: Hier wird bei besonders starken Ausschlägen in eine mindestens zweiminütige Auktion gewechselt, um den Handel zu entschleunigen. Darüber hinausgehende Schritte sind nach offiziellem Bekunden nicht geplant. Das wiederum deckt sich mit dem, was auch von den US-Börsenbetreibern verlautbart wurde.

Die Investoren warten ab

Investoren hielten sich vor Bekanntgabe des Wahlergebnisses am Dienstag merklich zurück. Die Nachrichtenagentur "Bloomberg" meldete, dass die Umsätze an den Finanz- und Kapitalmärkten signifikant niedriger seien. Kurz nach Handelsstart zeigte der Leitindex Dow Jones Industrial kaum Veränderungen zum Vortag. Im Schatten der Wahl gab Medienmogul Rupert Murdoch rote Zahlen für das vergangene Quartal bekannt. Der Umsatz aber sank weniger stark als befürchtet. Für die Aktie ging es daher im vorbörslichen US-Handel um rund 3,5 Prozent nach oben. Verlierer war Hertz: Nachdem der Autovermieter seinen Gewinnausblick gesenkt hatte, verloren die Papiere mehr als ein Drittel an Wert.