New York/Tokio/Frankfurt/Wien.(da/reuters/dpa) Kein Land und seine Bevölkerung wurden von Donald Trump dermaßen verunglimpft wie Mexiko. Und in keinem anderen Staat wirkte sich der Sieg des US-Republikaners unmittelbar so stark auf die Finanzmärkte aus. Den größten Tagesgewinn seit 22 Jahren erreichte der US-Dollar gegenüber dem mexikanischen Peso, von Analysten im Vorfeld zum "Trump-o-Meter" umbenannt. Weil Trump Mexiko mit einem Handelskrieg samt Strafzöllen und mit dem Bau einer Grenzmauer gedroht hatte, galt: Je höher die Chancen Donald Trumps auf einen Wahlsieg schienen, desto höher wird der Druck auf den Peso. Gegen 6.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit, kurz nachdem die US-Bundesstaaten Iowa, Wisconsin und Georgia für Trump gewonnen waren, bestanden kaum mehr Zweifel an seinem Sieg. Und so verlor der mexikanische Peso bis dahin 13,5 Prozent; für einen Dollar waren am Mittwoch bis zu 20,77 Peso fällig.

Auch in Asien standen die Zeichen zu dieser Zeit auf Sturm: Der Tokioter Nikkei-Index sackte um knapp sechs Prozent ab, Hongkong und Seoul lagen ebenfalls tief im Minus. Der Dollar verlor gegenüber dem Yen, der an den Finanzmärkten als sicherer Hafen gilt. Die Krisenwährung Gold und der Ölpreis zogen hingegen an.

Deutsche Exporte gefährdet


Doch bereits mit Öffnen der europäischen Märkte ebbte der Trend ab und die Verluste hielten sich in Grenzen. Damit haben sich die Wogen viel schneller geglättet als nach dem Brexit-Votum im Juni. Das gilt sowohl für Rohstoffe als auch Anleihen- und Aktienmärkte. Verbuchte beispielsweise der Frankfurter DAX zu Handelsstart noch ein Minus von drei Prozent, drehte der deutsche Leitindex am Mittwochnachmittag gar ins Plus. Auch in den USA selbst verdauten die Börsen den Trump-Schock sehr schnell. Der Dow-Jones-Index schloss an der Wall Street nach einem schwachen Auftakt mit 18.589 Punkten, ein klares Plus von 1,4 Prozent.

Welche langfristigen Folgen Trumps Präsidentschaft aber auch auf viele europäische Wirtschaften hat, war noch nicht ausgemacht: So könnte etwa die deutsche Wirtschaft die Folgen von Trumps Regentschaft noch besonders deutlich zu spüren bekommen. Denn die Vereinigten Staaten sind wichtigster deutscher Handelspartner, rund zehn Prozent der deutschen Exporte gehen in die USA, eineinhalb Millionen Jobs hängen vom US-Geschäft ab.

Ob Trump die angekündigte Mischung aus Protektionismus und scharfer Umverteilung von unten nach oben durch Steuersenkungen tatsächlich umsetzt, ist völlig ungewiss. "Um amerikanische Jobs zu sichern, will Trump etwa die Zölle auf im Ausland hergestellte Produkte anheben und die US-Wirtschaft insgesamt stärker gegen Konkurrenz aus dem Ausland schützen", erinnert der Präsident des Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo, Clemens Fuest.

Strafzölle könnten die Inflation in den USA um drei Prozentpunkte in die Höhe treiben, prognostiziert Sal. Oppenheim-Chefvolkswirt Martin Moryson. Den Amerikanern bliebe dann real weniger Geld in den Taschen, um beispielsweise deutsche Autos zu kaufen. Andererseits, sollte Trump tatsächlich ein Konjunkturprogramm auflegen, könnten auch ausländische Firmen von Aufträgen profitieren.

Politisch ist Russland einer der großen Gewinner der US-Präsidentenwahl, setzte doch Präsident Wladimir Putin bereits im Wahlkampf auf einen Sieg Trumps. Der russische Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew sprach dementsprechend bei einer Veranstaltung in Wien am Mittwoch von einem "Window of Opportunity" für die Beziehungen beider Länder. Wirtschaftlich sieht Uljukajew Russland im Aufwind, Löhne und Gehälter stiegen wieder stärker als die Inflation. Die Moskauer Börse spiegelte den Optimismus auf bessere Beziehungen wider, der Leitindex RTS legte im internationalen Vergleich überdurchschnittlich stark zu.