• vom 14.11.2016, 09:39 Uhr

International

Update: 14.11.2016, 10:12 Uhr

Studie

Arm trotz Arbeit




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Von WZ Online, APA, dpa

  • Aufschwung am Jobmarkt kommt nicht bei allen an. 7,8 Prozent der Europäer sind trotz Vollzeitjob von Armut bedroht.

Gütersloh. Der Anteil der Menschen, die trotz eines Vollzeitjobs von Armut bedroht sind, ist in Europa laut einer Studie gewachsen. Nach einer am Montag vorgestellten Studie der deutschen Bertelsmann-Stiftung zur sozialen Gerechtigkeit ("Social Justice Index 2016") stieg ihr Anteil im vergangenen Jahr auf 7,8 Prozent; 2013 lag er noch bei 7,2 Prozent. Der Aufschwung am Arbeitsmarkt komme nicht bei allen an.

Zwar sei der Negativtrend der vergangenen Jahre bei der Bewertung der sozialen Gerechtigkeit in den 28 Ländern der Europäischen Union gestoppt. Der Index, der 2014 mit 5,62 seinen Tiefpunkt erreicht hatte, stieg 2016 im EU-Schnitt auf 5,75. Vor der Wirtschaftskrise 2008 lag er noch bei 6,60. Aber noch immer sei mit 118 Millionen jeder vierte EU-Bürger von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht.

Niedriglohnsektor wächst

Die Gründe sehen die Autoren der Studie im wachsenden Niedriglohnsektor und einer Spaltung der Arbeitsmärkte in reguläre und atypische Formen von Beschäftigung. Österreich liegt in der Rangliste mit 6,67 knapp vor Deutschland auf Platz sieben im EU-Vergleich. Den Spitzenplatz belegt Schweden mit 7,51, Schlusslicht bleibt Griechenland mit 3,66. Für die Studie werden jährlich anhand von 35 Kriterien sechs Bereiche beleuchtet, darunter Armut, Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheit und Generationengerechtigkeit.

EU-weit seien 25,2 Millionen (26,9 Prozent) Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. In den Krisenländern Griechenland, Italien, Spanien, Portugal seien diese Werte sogar noch höher: Hier ist im Schnitt jedes dritte Kind (33,8 Prozent) von Armut bedroht. Die südlichen EU-Länder haben zusätzlich mit dem Problem einer hohen Jugendarbeitslosigkeit zu kämpfen. In Italien gehören fast ein Drittel der 20-24-Jährigen (31,1 Prozent) dazu. In Griechenland (26,1 Prozent) und Spanien (22,2 Prozent). Österreich hat die nach Deutschland (7,2 Prozent) zweitwichtigste Jugendarbeitslosigkeit in der EU mit 10,6 Prozent.

"Wir waren überrascht, dass trotz steigender Beschäftigung in Europa das Armutsrisiko, auch in Deutschland, nicht geringer wird", sagt Studienautor Daniel Schraad-Tischler. Die Autoren sprechen von "Europa paradox". Deshalb warnt Aart De Geus, der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Stiftung: "Ein Vollzeitjob muss nicht nur das Einkommen, sondern auch das Auskommen sichern. Ein steigender Anteil von Menschen, die dauerhaft nicht von ihrer Arbeit leben können, untergräbt die Legitimität unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung."





Schlagwörter

Studie, Arbeitsmarkt

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Dokument erstellt am 2016-11-14 09:41:07
Letzte ─nderung am 2016-11-14 10:12:33



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