Frankfurt/Wien. (reu/apa) Der für heute, Mittwoch, geplante 24-Stunden-Pilotenstreik bei der Lufthansa findet statt - hieß es Dienstagabend. Das Arbeitsgericht Frankfurt hatte in erster Instanz einen Antrag der Fluggesellschaft auf eine einstweilige Verfügung gegen den Streik abgewiesen. Das Gericht ließ aber die Berufung beim Landesarbeitsgericht zu, und Lufthansa-Anwalt Thomas Ubber kündigte sofort die Berufung an. Das Verfahren sollte in den Nachtstunden fortgesetzt werden.

Die Lufthansa wollte den Piloten-Streik in letzter Minute mit einer Eilklage stoppen. Aus Sicht der Airline sei der Streikaufruf von Cockpit fehlerhaft und dabei insbesondere eine der Gehaltsforderungen. Die Lufthansa strich bereits rund 880 Flüge.

Das Frankfurter Arbeitsgericht spielte bei Streiks in der Luftfahrtbranche schon öfter eine entscheidende Rolle, zuletzt vor 14 Monaten. Damals stoppte ein Arbeitsrichter den 13. Flugzeugführer-Streik. Grund war, dass sich Cockpit öffentlich gegen den Ausbau der Lufthansa-Billigtochter Eurowings aussprach. Für die Lufthansa war das ein unzulässiger Eingriff in die Unternehmensstrategie.

Das Gericht schloss sich der Argumentation des Konzerns an und verbot den Streik. Cockpit hat daraus Konsequenzen gezogen und will die Lufthansa nun ausschließlich bestreiken, um höhere Löhne durchzusetzen. Die Gewerkschaft fordert für die 5400 Lufthansa-Piloten rückwirkend ab 2012 ein Gehaltsplus von 3,7 Prozent im Jahr.

100.000 Passagiere betroffen


Das Unternehmen bietet 2,5 Prozent über eine Laufzeit von gut sechs Jahren. Die Verhandlungen darüber scheiterten vor gut einer Woche. Auch ein neues Schlichtungsangebot der Lufthansa brachte keinen Durchbruch. Der Arbeitskampf begann im April 2014. Am Mittwoch dürften insgesamt 100.000 Passagiere von dem Streik betroffen sein, erklärte der Konzern. Für Kunden, deren Flug streikbedingt ausfällt, gebe es die Möglichkeit, einmalig kostenfrei umzubuchen oder zu stornieren. Passagiere von innerdeutschen Flügen könnten die Bahn nehmen.

Insgesamt stehen bei der Lufthansa nach Firmenangaben am Mittwoch 3000 Verbindungen im Flugplan. Hier sind aber die Strecken der Töchter Eurowings und Germanwings, die nicht von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit bestreikt werden, und ausländischen Ablegern wie Austrian und Swiss mitgezählt. Bei früheren Streiks sprach die Lufthansa von 1500 Flügen im Passagiergeschäft, konzernintern Lufthansa Passage genannt.

Der Streik bei der AUA-Mutter Lufthansa wird auch die Flüge nach Wien massiv treffen. Elf Rotationen, also elf Ankünfte und elf Abflüge von Wien, in Summe 22 Flüge, fallen aus, teilte der Flughafen Wien mit. Betroffen sind sieben Verbindungen nach Frankfurt und vier nach München. Ob es am Donnerstag noch Nachwehen geben wird, sei noch nicht zu sagen. Die AUA plant jedenfalls, größere Flugzeuge auf den Strecken von Wien nach Frankfurt und München einzusetzen. In Summe werden über den Tag 130 Sitze mehr angeboten.