Die Einkommensungleichheit in den OECD-Staaten hat sich seit der Krise verfestigt. - © reuters/del pozo
Die Einkommensungleichheit in den OECD-Staaten hat sich seit der Krise verfestigt. - © reuters/del pozo

Paris. (wak) In den vergangenen sieben Jahren ist die Wirtschaft in den Industrienationen wieder angesprungen. Doch eine aktuelle Studie der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kritisiert einmal mehr, dass dieses Wachstum nicht alle Segmente der Bevölkerung in den Industrienationen zu gleichen Teilen mitgenommen hat. Ganz im Gegenteil, die wirtschaftliche Erholung habe den Trend der wachsenden Ungleichheit nur verstärkt. Zwar ist die Beschäftigungsquote wieder in die Höhe gegangen, aber das Lohnwachstum hat nicht mitgehalten. Außerdem habe die wirtschaftliche Erholung auch die Erträge aus Kapitaleinkommen begünstigt, die normalerweise eher dem ohnedies wohlhabenden Teil der Bevölkerung zugutekommen.

Außerdem werde die derzeitige wirtschaftliche Erholung oft mit der Streichung von staatlichen Ausgaben verbunden. Das führe zu einem strengeren Zugang zu sozialen Transferleistungen für Niedrigverdiener, schreibt die OECD in ihrer Studie. Dabei befindet sich seit 2010 "die Ungleichheit bei den Einkommen auf einem historischen Hoch." Davon zeugt der Gini-Koeffizient, ein Standardmaß um Ungleichheit zu messen (Null bedeutet absolute Gleichheit, während Eins absolute Ungleichheit bedeutet, also eine Person besitzt das gesamte Vermögen). Der Gini-Koeffizient der verfügbaren Haushaltseinkommen in den OECD-Ländern lag in den Jahren 2013 und 2014 bei 0,318 - und damit etwas höher als zu Beginn der Krise 2007 - und auf dem höchsten Stand seit Mitte der 1980er Jahre.

In den Industrienationen werde normalerweise die Einkommensungleichheit über Steuersätze und andere Transferleistungen ausgeglichen, wie etwa die monetäre Unterstützung bei Arbeitslosigkeit oder Kinderbetreuungsgeld. Solche Leistungen reduzieren im OECD-Schnitt die Ungleichheit um fast ein Drittel. Noch größer werden die Umverteilungseffekte, nimmt man nicht-monetäre Transferleistungen wie Bildung und medizinische Versorgung mit ins Bild.

Transferleistungen sind auch
in Österreich gekürzt worden


Doch während solche Umverteilungen zu Beginn der Krise halfen, den Anstieg der Einkommensungleichheit abzufedern, sind diese Leistungen seit 2010 in zwei Dritteln der OECD-Länder gesunken. Auch in Österreich waren 2014 die Leistungen geringer als noch im Jahr 2010.

Schaut man sich die Durchschnittseinkommen der oberen und unteren 20 Prozent in Österreich an, so haben das obere Fünftel laut OECD 4,2 Mal mehr zur Verfügung als das untere Fünftel.

Das Medianeinkommen benennt jene Einkommenshöhe, in der die Anzahl der Haushalte mit niedrigeren Einkommen gleich groß ist wie die der Haushalte mit höheren Einkommen. Unselbständig Erwerbstätige (ohne Lehrlinge) in Österreich erzielten 2013 ein Median-Bruttojahreseinkommen von 25.767 Euro. Beamte brachten es laut Statistik Austria auf 51.408 Euro. Das mittlere Bruttojahreseinkommen der Pensionisten mit Wohnsitz in Österreich war 18.742 Euro.