Mailand. Die italienische Großbank Unicredit will bei Investoren 13 Milliarden Euro einsammeln und damit ihre dünne Kapitaldecke aufpolstern. Der neue Vorstandschef Jean-Pierre Mustier plant mit dem frischen Geld den Umbau der Muttergesellschaft der Bank Austria zu finanzieren und Risiken aus der Bilanz zu nehmen.

Die Kosten sollen um 1,7 Milliarden Euro sinken. 1,1 Milliarden soll allein der Abbau von 14.000 Stellen bringen, das sind 6500 mehr als erwartet.  Einen Verkauf der deutschen Tochter schloss Mustier allerdings aus: Die HypoVereinsbank sei eine "strategische Beteiligung".

2.100 Jobs werden in Österreich gestrichen

Mustier hat am Dienstag erklärt, in Österreich bleiben zu wollen. Hier betreibt der Mailänder Bankkonzern mit der Bank Austria die größte Bank im Land. Der neue Sparkurs wird aber auch hierzulande spürbar sein. Es wird auf bisherige Sparrunden aufgedoppelt. In Österreich soll die Zahl der Mitarbeiter in Summe nun um insgesamt 19 Prozent (Vollzeitarbeitskräfte) sinken, geht aus einer am Dienstag vorgelegten Präsentation hervor. In Italien und in Deutschland sollen nach drei Jahren jeweils um 21 Prozent weniger Beschäftigte auf der Payroll stehen.

Vor einem Jahr hatte der Konzern für Österreich den Abbau von etwa 1.100 Stellen im Plan gehabt. Im neuen Plan ist nun von einer Reduktion um weitere 1.000 Arbeitsplätze die Rede - in Summe also ein Abbau von 2.100 Stellen. Die Bank Austria hat seit einiger Zeit ein Golden-Handshake-Programm laufen.

Am Kapitalmarkt wurden die Pläne positiv aufgenommen. Die Aktie drehte rasch ins Plus und stieg am Vormittag um vier Prozent.

Führungsstrukturen sollen gestrafft werden

Vom Abbau dürfte in Deutschland vor allem das Investmentbanking betroffen sein, das konzernweit mit dem Firmenkundengeschäft verzahnt werden soll. Mustier will die Führungsstrukturen deutlich straffen. Insgesamt kostet der Konzernumbau 12,2 Milliarden Euro, 8,1 Milliarden Euro schreibt UniCredit im vierten Quartal allein auf faule Kredite ab. "Wir gehen unsere Altlasten konsequent an, um die Qualität der Bilanz deutlich zu verbessern und die Basis für nachhaltige Gewinne zu schaffen", erklärte Mustier. Um die Risiken zu senken, verkauft die Bank faule Kredite im Umfang von 17,7 Milliarden Euro an die Allianz -Fondsgesellschaft Pimco und den US-Finanzinvestor Fortress. Sie stammen aus den Jahren vor 2011.

UniCredit solle "eine der attraktivsten Banken in Europa" werden, sagte Mustier. Der Plan basiere darauf, dass UniCredit eigenständig bleiben werde. Es gebe keine Gespräche über einen Zusammenschluss. Zuletzt hatte es Spekulationen über eine Fusion mit der französischen SocGen gegeben.

Größte Kapitalerhöhung in Italiens Wirtschaftsgeschichte

Die Kapitalerhöhung ist die größte in der italienischen Wirtschafts-Geschichte. Sie soll bis Juni 2017 umgesetzt sein. Zehn Banken haben Garantien übernommen, dass sie die neuen Aktien an den Mann bringen. Mustier will fast so viel Geld aufnehmen, wie die Bank an der Börse wert ist: Mit 15 Milliarden Euro liegt sie zwischen der Deutschen Bank (24 Milliarden) und der Commerzbank (knapp zehn Milliarden). In diesem Jahr allein hat UniCredit die Hälfte ihres Marktwertes verloren. Nun sollen zehn Aktien zu einer zusammengelegt werden.

Der seit knapp einem halben Jahr amtierende Investmentbanker Mustier hatte den Kapitalbedarf mit dem Verkauf der polnischen Tochter Pekao und der Fondsgesellschaft Pioneer sowie einem Teilverkauf der Online-Tochter FinecoBank vorab reduziert. Weitere Verkäufe seien nun nicht geplant, sagte er. Mit der Anbindung des Investmentbanking an das Firmenkundengeschäft folgt UniCredit einem ähnlichen Schritt der Commerzbank.

Mit der Kapitalerhöhung und dem Abbau der Risiken will die Bank bis 2019 auf eine harte Kernkapitalquote von mehr als 12,5 Prozent kommen. Zuletzt waren es - dank Übergangsregelungen - im Branchenvergleich unterdurchschnittliche elf Prozent. Für 2016 gibt es keine Dividende, danach sollen 20 bis 50 Prozent des Gewinns ausgeschüttet werden. Für das Jahr 2019 peilt Mustier einen Nettogewinn von 4,7 Milliarden Euro und eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von mehr als neun Prozent an