Mailand. Der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) läuft auf der Suche nach frischem Kapital die Zeit davon. Das Traditionshaus erklärte am späten Mittwochabend in Siena, bisher keinen sogenannten Ankerinvestor gefunden zu haben, also einen Geldgeber, der eine große Last bei der laufenden Kapitalerhöhung schultert. Damit wird immer wahrscheinlicher, dass der Staat rettend eingreifen muss.

Italiens Wirtschaft leidet unter einem maroden Bankensektor. Die Geldhäuser sitzen auf Bergen fauler Kredite. Der Internationale Währungsfonds IWF schätzt das Gesamtvolumen in den Bankbilanzen auf 360 Mrd. Euro. Das entspricht rund 18 Prozent der ausgereichten Darlehen. Und im Zentrum der Bankenkrise steht das traditionsreiche Geldhaus Monte dei Paschi.

Absturz an der Börse

Der Ausverkauf bei den Aktien der italienischen Krisenbank hat sich am Donnerstag fortgesetzt. Die Papiere stürzten zu Handelsbeginn um 6,8 Prozent auf ein neues Rekordtief von 14,71 Euro ab. Medienberichten zufolge wird sich die Rettung von Monte dei Paschi durch den Staat über mehrere Monate hinziehen.

Hoffnungen, dass der Staatsfonds von Katar bei einer Kapitalerhöhung neue Aktien zeichnet, zerschlugen sich am Mittwochabend. Am Mittwoch teilte die Bank mit, dass die Liquidität nur noch für vier Monate reichen werde. Dies drückte den Aktienkurs um fast 20 Prozent nach unten. Immer wieder wurde der Handel wegen automatischer Volatilitäts-Aussetzungen unterbrochen. Auch am Donnerstag stoppte dieser Automatismus den Handel unmittelbar nach Zustandekommen des Eröffnungskurses.

Geldhaus in Schieflage

Monte dei Paschi di Siena wurde 1472 gegründet und gilt als das älteste noch operierende Geldhaus der Welt. In der europäischen Schuldenkrise ist das Geldhaus in Schieflage geraten und hat sich seitdem nicht wirklich erholt.

Riskante Deals hatten der Bank hohe Verluste eingebracht, sie musste bereits mit mehreren Milliarden Euro Staatshilfen gestützt werden. Trotz zweier Rettungsaktionen durch den Staat und mehrerer Kapitalerhöhungen blieb die Lage wackelig. Das Geldhaus fiel mehrmals durch den Bankenstresstest der Europäischen Zentralbank (EZB), weil es die Kapitalanforderungen in den Testszenarien nicht erfüllte.

Im Sommer gelang die Rettung der Bank. Die Frist für den damals vereinbarten Sanierungsplan läuft Ende 2016 aus. Er setzt einen Fokus auf die geplatzten Kredite des Instituts: Bei gut 40 Prozent der Darlehen ist die Rückzahlung gestört, das sind insgesamt fast 46 Mrd. Euro. 

Auch UniCredit braucht frisches Geld

Auch UniCredit, der Mutterkonzern der Bank Austria und der deutschen HypoVereinsbank, hat allein faule Kredite von fast 77 Mrd. Euro angehäuft. Der Bankkonzern braucht frisches Geld. Mit Stellenstreichungen und einer Kapitalerhöhung versucht die Großbank nun ein Rettungsmanöver. Insgesamt sollen bis Ende 2019 rund 14.000 Stellen wegfallen. Die Ausgabe neuer Aktien soll 13 Mrd. frisches Kapital bringen. Die Bank will zudem faule Kredite im Wert von fast 18 Mrd. Euro an Finanzinvestoren verkaufen.