• vom 04.01.2017, 17:51 Uhr

International

Update: 04.01.2017, 18:43 Uhr

US-Unternehmenspolitik

"Vor Glück geweint"




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  • Donald Trump setzt seine Unternehmenspolitik noch vor Amtsantritt fort. Die US-Autogewerkschaft frohlockt.

Mitarbeiter bei Ford in Michigan beklatschen die Nachricht, dass das Werk ausgebaut wird. - © ap/Osorio

Mitarbeiter bei Ford in Michigan beklatschen die Nachricht, dass das Werk ausgebaut wird. © ap/Osorio

Washington. (dpa) Ob Ford, General Motors oder Boeing - wenn Donald Trump Druck macht, geben selbst die größten US-Konzerne klein bei. Dieser Eindruck drängt sich zumindest auf, seitdem der Immobilienmogul zum US-Präsidenten gewählt wurde. Trump wird zwar erst am 20. Jänner vereidigt, doch schon jetzt vergeht kaum ein Tag, ohne dass er sich aggressiv in die Unternehmenspolitik einmischt.

Wie frei können Firmen in der traditionell marktliberalen US-Wirtschaft künftig noch agieren?


Zuletzt knöpfte sich der "President-elect" den größten US-Autobauer GM vor. "Produziert in den USA!", ging Trump das Unternehmen bei Twitter an und drohte mit hohen Einfuhrzöllen für Autos, die im Niedriglohn-Nachbarland Mexiko gefertigt werden. Wenig später gab GM-Rivale Ford überraschend bekannt, Pläne für ein 1,6 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro) teures Werk in Mexiko zu beerdigen - wie von Trump gefordert. Stattdessen solle nun in großem Stil in den USA investiert werden.

700 neue Jobs in Michigan
Großer Profiteur ist eine Kleinstadt in Michigan. Flat Rock, keine 10.000 Einwohner, ein Ford-Werk als Dreh- und Angelpunkt. Am Dienstag plötzlich Ausnahmezustand: Ford kündigt an, die Fabrik für 700 Millionen Dollar in eine High-Tech-Schmiede für innovative Mobilität umzurüsten. Zur Fertigung von Klassikern wie dem Mustang kommen künftig Zukunftstechnologien wie Roboterautos und Elektroantrieb. 700 Jobs sollen entstehen. Und Ford-Chef Mark Fields lässt sich im Werk von den Arbeitern feiern.

Er habe vor Glück geweint, als er von der Nachricht erfuhr, sagt Jimmy Settles, der Vizepräsident der Autogewerkschaft UAW. Im Wahlkampf versprach Trump, der gebeutelten US-Industrie neue Arbeitsplätze zu verschaffen. US-Jobs ins Ausland zu verlagern, werde künftig "nicht ohne Konsequenzen bleiben", drohte er nach der Wahl - und stellte Strafzölle von 35 Prozent in Aussicht.

Um Konzerne auf Linie zu bringen, wendet Trump Zuckerbrot und Peitsche an. Auf harte Twitter-Attacken folgen versöhnliche Gespräche mit Vorständen, denen daran gelegen ist, es sich mit dem künftigen Präsidenten nicht zu verscherzen. So versprach etwa Boeing-Chef Dennis Muilenburg rasch einen niedrigeren Preis, nachdem Trump gepoltert hatte, die Kosten für die neue Präsidentenmaschine Air Force One seien "außer Kontrolle". Der Klimaanlagenbauer Carrier wurde mit Hilfe von Subventionen umgestimmt, bei rund 800 von ursprünglich 1400 Jobs auf die Verlagerung nach Mexiko zu verzichten.

Trumps Methoden werden allerdings von vielen Beobachtern kritisch gesehen. "Amerika wird nicht florieren, indem Konzerne gezwungen werden, unwirtschaftliche Investitionen zu tätigen", schrieb das normalerweise den Republikanern nahestehende Finanzblatt "Wall Street Journal" in einem Leitartikel.

In Flat Rock versuchte Ford-Chef Mark Fields, den Eindruck zu zerstreuen, sich Trumps Druck gebeugt zu haben. "Es ist ein Vertrauensvotum für den designierten US-Präsidenten", sagte Fields. Doch es habe keinen "Deal" mit Trump gegeben. Die Entscheidung, die Produktion eines Kleinwagens nicht von Michigan in ein neues Werk in Mexiko zu verlagern, sei allein den Marktkräften geschuldet. Man sei zum Schluss gekommen, dass die Nachfrage zu gering sei, um die Milliardeninvestition zu rechtfertigen.

Mexiko bedauert Fords Rückzieher zwar, gibt sich jedoch kämpferisch. Die eigene Wettbewerbsfähigkeit sei hoch, um internationale Investitionen mache man sich keine Sorgen, teilte die Regierung mit. An Fords Plänen, die Focus-Herstellung in das Nachbarland auszulagern, ändert sich auch gar nichts. Der Kleinwagen wird in einem bereits bestehenden Werk in Hermosillo produziert. Auch deutsche Autobauer sind in Mexiko aktiv: VW hat 2016 ein Werk eröffnet, Daimler plant eine Fabrik mit Renault-Nissan. BMW hat vor kurzem mit dem Fabriksbau begonnen, das Werk soll 2019 in Betrieb gehen. Ein Baustopp gilt jedoch nicht als unmöglich. Sollte Trump das Freihandelsabkommen Nafta aufkündigen, würde sich die Lage zusätzlich verschärfen.

"Obamacare" unter Beschuss
Während Trump erst übernächste Woche sein Amt antritt, sind die Kongressabgeordneten aus den Ferien zurück. Die Konservativen machen mit der geplanten Abschaffung von Barack Obamas Gesundheitsreform gleich Ernst. Der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, erklärte am Dienstag, die zuständigen Ausschüsse hätten bis zum 27. Jänner Zeit, entsprechende Gesetze zu verabschieden. Eine einfache Mehrheit im Senat würde reichen, um "Obamacare" auszuhöhlen.




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Dokument erstellt am 2017-01-04 17:56:05
Letzte Änderung am 2017-01-04 18:43:43


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