London/Paris. (wak) "In einer Welt, in der mehr als ein Drittel aller Staatsanleihen negative Zinsen abwerfen, bleiben handfeste Werte populär", diagnostizierte die Schweizer Großbank UBS in ihrem aktuellen Bericht über Immobilien im abgelaufenen Jahr. "Damit ist es kaum verwunderlich, dass die Preise am Immobilienmarkt einmal mehr am Überhitzen sind, nur wenige Jahre nach der letzten großen Korrektiv-Welle. Wir sehen eine signifikante Überbewertung des Immobilienmarktes in einigen wichtigen Finanzzentren." Der Bericht nennt sechs Städten, deren Immobilien nicht nur überbewertet sind, sondern in denen die UBS sogar das Risiko einer Blase erkennt. Ganz vorne auf der Liste rangiert Vancouver. Die kanadische Metropole führt seit Jahren sämtliche Listen zur lebenswertesten Stadt Amerikas an. Diesen Magnetismus versucht die kanadische Regierung zu beschränken, indem sie für ausländische Käufer einen 15-prozentigen Aufschlag auf die Immobiliensteuer verordnet hat.

Nummer zwei auf der Liste ist London, dahinter folgen Stockholm, Sydney, München und Hongkong.

Und nun schlägt auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Alarm. Immobilienpreise sind in den westlichen Ländern auf zum Teil gefährliche Höhen gestiegen. Damit werde das Risiko größer, dass die Preise ins Bodenlose fallen, wenn die Blase schließlich platze.

OECD-Chefökonomin Catherine Mann erklärte, die Organisation würde die Verwundbarkeit der Immobilienmärkte genau verfolgen. Noch dazu, wo nun die Inflation anziehen könnte, und damit das Bedienen der Hypotheken teurer wird - und damit der Immobilienmarkt unattraktiver. Dazu kommt, dass in den nächsten Monaten laut OECD die Geldpolitik der großen Notenbanken weiter divergieren könnte - die US-amerikanische Notenbank Fed hat im Dezember die Zinsen angehoben und für 2017 weitere Schritte in dieser Richtung signalisiert. Die Europäische Zentralbank EZB lässt die Zinsen dagegen einstweilen bei null.

Auch OECD-Expertin Mann nennt Kanada und Schweden als hochgefährdete Länder, die sowohl bei kommerziellen Immobilien als auch bei Wohnhäusern Preise aufweisen, "die nicht konsistent mit einem stabilen Immobilienmarkt sind".

Trendwende dank Brexit


Der Londoner Immobilienmarkt scheint sich allerdings in einer Trendwende zu befinden. Während vor einem Jahr, im Jänner 2016, beinahe die Hälfte der Immobilien (41,5 Prozent) in der britischen Hauptstadt um mehr als den ursprünglich geforderten Kaufpreis den Eigentümer wechselten, waren es im November - post-Brexit - nur 23 Prozent.

Es wäre abzuwarten, wer die Kosten für die fallenden Preise tragen wird, erklärt Mann. Wenn es keine Menschen mit Hauptwohnsitz in London beträfe, dann "könnten niedrigere Immobilienpreise sogar gut für Großbritannien sein" - mit anderen Worten, eine Adjustierung der Preise sei wünschenswert.

Betrachtet man alle Immobilien der jeweiligen Länder - und nicht nur jene in Metropolregionen -, so nimmt auch in Großbritannien der Wert der Häuser ab, wenn auch nicht gar so deutlich: Während im März noch 29,8 Prozent der Häuser für mehr als den ausgeschriebenen Preis verkauft werden konnten, waren es im November nur noch 23,1 Prozent.

Für Großbritannien errechnete die OECD übrigens ein Verhältnis von 21,3 zwischen dem Preis von Immobilien und dem Durchschnittseinkommen. Auf der selben Skala kann man erkennen, dass auch in Österreich die Immobilienpreise höher sind, als der langfristige Durchschnittswert es anzeigen würde. Hierzulande wurde ein Wert von 16,8 (Häuserpreise gerechnet am nationalen Einkommen) errechnet. Belgien führt diese Liste mit einem bemerkenswerten Wert von 46,6 an. Dagegen werden Immobilien in Portugal, Deutschland und den USA derzeit unter Wert verkauft.

Entwarnung für Österreich


Droht damit auch in Österreich eine Überhitzung des Immobilienmarktes? Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) weist solche Risiken zurück. "Die OeNB beurteilt die Risiken differenzierter und sieht systemische Risiken aus der Immobilienfinanzierung in Österreich aktuell jedoch als begrenzt an", teilte die Notenbank im Zuge der Veröffentlichung des Finanzmarktstabilitätsberichts mit. Auch würden in Österreich Hypothekarkredite nur 28 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entsprechen, in Schweden seien es dagegen 65 Prozent.