Detroit. Detroit, von Musik-Nostalgikern "Motown" genannt, ist seit Jahren im Niedergang. Von Industrie-Ruinen übersät, ging die Stadt zuletzt sogar bankrott, musste ein schmerzhaftes Insolvenzverfahren über sich ergehen lassen. Die Abwanderung ist enorm, die Arbeitslosigkeit doppelt so hoch wie sonst im Land.

Doch es gibt auch ein ganz anderes Detroit, jenes, wo zu Jahresanfang die Motoren trommeln, wenn die "North American International Auto Show" ihre Pforten öffnet. Diesen Sonntag ist es wieder so weit. Zuerst haben geladene Gäste Zutritt, dann bis zum 22. Jänner jedermann. Glanz und Glamour also - und heuer hat der künftige Präsident Donald Trump persönlich der Stadt ein rauschendes Comeback versprochen. "Detroit will come roaring back", so der Tycoon unter lautem Getöse. Detroit wird das, was es einmal war.

Schwere Karossen
an jedem Stand

300 Aussteller sind heuer dabei, im vergangenen Jahr kamen 815.000 Menschen. Für Pick-ups und SUV-Geländewagen geben die Kunden in den USA viel Geld aus, es gibt zahlreiche Neuigkeiten zu bestaunen. Chevrolet präsentiert eine vergrößerte Neuauflage des Traverse, Ford zeigt die optisch überarbeiteten Modelle Mustang, Expedition und Raptor, BMW den neuen 5er und Mercedes die E-Klasse als Coupe.

Das Geschäft boomt: Nach einem starken Dezember hat der US-Automarkt 2016 einen neuen Absatzrekord aufgestellt. Im abgelaufenen Jahr rollten in den USA insgesamt 17,55 Millionen Autos von den Stellplätzen der Händler. Das entspricht einem Plus von 0,4 Prozent verglichen mit dem Vorjahreswert. Angesichts niedriger Benzinpreise und günstiger Zinsen kauften viele Amerikaner einen Neuwagen, je größer und spritschluckender, desto besser. 2017 könnte ein weiteres Rekordjahr werden. Die Stimmung der Verbraucher ist gut, die wichtigsten Konjunkturindikatoren positiv. Der größte US-Autobauer General Motors steigerte den Absatz im Dezember um zehn Prozent auf 319.000 Fahrzeuge, die Nummer zwei Ford schaffte ein Plus von 0,3 Prozent auf knapp 240.000. Toyota übergab rund 223.000 Fahrzeuge an die Kunden, das waren zwei Prozent mehr.

Doch wo viel Licht, da viel Schatten: In der Autoindustrie hat man Zweifel, ob Trumps "Roaring Fifties" wirklich die Zukunft bedeuten. Denn am Ende würden die Trends ja nicht durch Mr. Trump, sondern durch die Nachfrage in Europa und Asien bestimmt, heißt es hier. Und: Die Elektromobilität sei nicht mehr aufzuhalten. Und Hybridautos finden sich auch in Detroit überall.

Trumps Credo von der "Old Economy" sorgt in der Autobranche für Unsicherheit. Immerhin haben fast alle großen Hersteller in den vergangenen Jahren Fabriken in Lateinamerika hochgezogen, es lockten niedrige Löhne gepaart mit dem Marktzugang in die USA. Das nordamerikanische Handelsabkommen Nafta sorgt für ungehinderten Warenverkehr zwischen den USA, Kanada und Mexiko.

Trump droht Herstellern, Zulieferkreislauf zu zerstören

Damit soll nach Anbeginn der Ära Trump Schluss sein, der Republikaner hat angekündigt, den Pakt neu zu verhandeln oder gar aufzukündigen. Für die mit dem Verlust zahlreicher US-Jobs einhergegangene Deindustrialisierung im Südosten von Michigan ist Nafta ein willkommener Sündenbock. Bei seiner Rede in Detroit schimpfte Trump, vor dem Freihandelsabkommen hätten 285.000 Beschäftigte in der Autoindustrie in der "Motor City" gearbeitet - heute seien es nur noch 160.000.

Trump attackiert die US-Hersteller für die Auslagerung von Arbeit ins Niedriglohn-Nachbarland Mexiko, durch die die Kosten gesenkt werden, hart. Selbst der US-Marktführer bleibt nicht verschont: "General Motors schickt in Mexiko gefertigte Modelle des Chevy Cruze steuerfrei über die Grenze zu US-Händlern. Produziert in den USA oder zahlt hohe Einfuhrsteuern!", so der künftige Präsident zuletzt über sein Lieblingsmedium Twitter. GM-Rivale Ford kündigte kurz darauf nach andauernder Kritik des "president-elect" an, eine 1,6 Milliarden Dollar (1,53 Milliarden Euro) schwere Investition in ein neues Werk in Mexiko abzublasen.

Würden Handelsschranken im Nafta-Raum wieder aufgebaut, hätte dies für alle massive Folgen. Trump droht, den Zulieferkreislauf durch Strafzölle von bis zu 35 Prozent zu zerschlagen.

Das würde auch deutsche und japanische Hersteller ins Mark treffen. Volkswagen befürchtet jetzt schon, auf Produktionskapazitäten sitzen zu bleiben. Trump hat Toyota ebenfalls mit Strafzöllen gedroht, sollte der japanische Autobauer das Modell Corolla für den US-Markt in Mexiko produzieren lassen.