Detroit/Toyota/Stuttgart. (ast/dpa) Beim Treffen in Detroit macht sich die Autowelt Mut vor der Trump-Ära. So schlimm werde es schon nicht kommen, so der Tenor. Doch die Verunsicherung ist groß: Ford schafft 700 neue Arbeitsplätze, Fiat Chrysler 2000 - fast könnte man meinen, die großen Autobauer wollten dem neuen US-Präsidenten einen warmen Empfang bereiten. Denn Donald Trump hat ein Jobwunder versprochen, nun parieren die Unternehmen artig - so hat es den Anschein.

Mit Wohlwollen gegenüber der neuen Regierung muss das jedoch nichts zu tun haben. Der republikanische Rechtspopulist setzt die Konzerne mit der Androhung von hohen Strafzöllen auf US-Importe öffentlich massiv unter Druck. Und diese reagieren. Das Schaffen von ein paar tausend Jobs hat nämlich volkswirtschaftlich kaum Auswirkungen, wie Nobelpreisträger Paul Krugman in der "New York Times" vorrechnet. In der größten Volkswirtschaft der Welt kommt es pro Monat durchschnittlich zu 1,5 Millionen Entlassungen, das sind 75.000 pro Arbeitstag. Trumps Druck auf die Branche trägt daher maximal politisch Früchte.

Der Trump-Faktor hängt trotzdem wie ein Damoklesschwert über den Autoherstellern. Dabei sah es zuletzt gut aus: Der Absatz brummt, die boomende Nachfrage hat den Herstellern 2016 einen erneuten Verkaufsrekord auf dem US-Markt beschert. Eigentlich könnten sich die Autobauer beim Branchentreffen auf die Schultern klopfen. Trotzdem ist keinem zum Feiern zumute, denn mit dem Regierungswechsel zieht Ungewissheit auf.

Auf der Automesse bemühen sich die Größen der Industrie, Gelassenheit zu demonstrieren. "Wir sind zwei Wochen vor der Inauguration, insofern würde ich sagen, befinden wir uns im Wesentlichen noch im Reich der Spekulation", sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche am Vorabend der Auto Show. "Deswegen würde ich eigentlich gerne tatsächliche Entscheidungen abwarten." Was würde es bedeuten, wenn Strafzölle kommen werden? "Ich erwarte es nicht."

Andere Brancheninsider äußern sich ähnlich. "Trump wird einsehen müssen, dass nicht alles, was er sagt, umgesetzt werden kann", sagt Sandy Schwartz, Chef des US-Autohandelsriesen Cox Automotive. Früher oder später werde der Immobilienmogul die Realität anerkennen. "Ich gehe nicht davon aus, dass wir eine seismische Verschiebung erleben werden." Doch hinter vorgehaltener Hand räumen viele Analysten ein, dass die Lage durchaus prekär ist.

Angst vor Protektionismus


Mit heftiger Kritik an Globalisierung und Freihandel hat Trump die Branche vor den Kopf gestoßen. Vergangene Woche attackierte er zuerst US-Marktführer General Motors (GM) und dann den weltgrößten Autobauer Toyota für geplante Investitionen im benachbarten Niedriglohnland Mexiko. Die Aktionen sorgten für Wirbel, sogar die japanische Regierung schaltete sich ein, um Toyota in Schutz zu nehmen. Am Sonntag kündigte der italienisch-amerikanische Autokonzern Fiat Chrysler an, eine Milliarde Dollar in zwei bestehende Werke in den USA zu stecken. Nur wenige Tage vorher hatte Ford nach andauernder Kritik von Trump verkündet, Pläne für eine 1,6 Milliarden Dollar teure Fabrik in Mexiko zu streichen und stattdessen 700 Millionen Dollar in den USA zu investieren. Insgesamt sollen die Initiativen von Ford und Fiat Chrysler rund 2700 neue US-Jobs schaffen. Beide Unternehmen bestreiten zwar, dass Trump dabei eine Rolle gespielt hat. Doch ein Beigeschmack bleibt.

Einerseits bedroht Trumps Hang zum Protektionismus die Geschäfte der US-Hersteller wie Ford und GM, andererseits hat er der Autostadt frei nach seinem Motto "America first" ein fulminantes Comeback versprochen. Mit Konjunkturpaketen und Steuerreformen soll der US-Wirtschaft zu einem neuen Boom verholfen werden, von dem auch die Autoindustrie profitieren soll.