Bangalore. (red) Sie kam als letzte Hoffnung und hinterlässt einen Scherbenhaufen: Unter Führung von Marissa Mayer wird der angeschlagene Internetpionier Yahoo aufgespalten, sein Webgeschäft steht vor dem Verkauf an den US-Telekomkonzern Verizon. Die Reste des Konzerns werden in Altaba umbenannt, teilte Yahoo in einer Aussendung mit.

Die erfolglose Mayer selbst wird den Verwaltungsrat dieses übrig bleibenden Firmenteils verlassen.

Die 41-jährige Managerin, die zuvor bei Google war, war vor vier Jahren angetreten um Yahoo, das von Google und Facebook schwer in Bedrängnis gebracht worden war, wieder erfolgreich zu machen. Doch das Unternehmen häufte weiterhin Verluste an.

Mayer, so Kritiker, ließ Sicherheitsprobleme zu sehr außer Acht. ie konzentrierte sich stattdessen auf die Einführung neuer Produkte, doch auch dort konnte der Konzern das verlorene Terrain nicht gutmachen. Im Juli vereinbarte Yahoo mit Verizon die Übernahme ihres Kerngeschäfts für 4,8 Milliarden Dollar - nun gefährdet eine ganze Reihe von Datendiebstählen den Deal. Vergangenes Jahr war schon ein massiver Hackerangriff auf mindestens 500 Millionen Nutzerkonten von Yahoo bekannt geworden, im Dezember musste Yahoo dann einen weiteren Angriff eingestehen - durch den Hacker bereits 2013 Zugriff auf mehr als eine Milliarde Konten von Nutzern erhielten.

Verizon-Manager zweifelten nach Bekanntwerden des Desasters den Yahoo-Kauf an. Analysten gehen dennoch nicht davon aus, dass der Deal platzt. Es wird erwartet, dass der Konzern nun einen spürbaren Preisnachlass durchsetzen will.

Verizon besitzt bereits AOL und will Yahoo damit verbinden. Die Marke könnte daher unter dem Verizon-Dach erhalten bleiben.

Sollte die Übernahme glücken, würden von Yahoo nur noch die Beteiligungen an der chinesischen Onlineplattform Alibaba und Yahoo Japan übrig bleiben - die zusammen zu Altaba umbenannt werden sollen. Mit Mayer sollen dann zudem fünf weitere Verwaltungsratsmitglieder zurücktreten, unter anderem auch Co-Gründer David Filo.

Unterdessen wurde bekannt, dass Google Skybox, den für eine halbe Milliarde Dollar gekauften Hersteller von Kamera-Satelliten, wieder loswerden will. Als Käufer sei der Konkurrent Planet im Gespräch, berichteten der Finanzdienst Bloomberg und das "Wall Street Journal".

Satelliten filmen 90-Sekunden-Videos

Google schraubte zuletzt einige Projekte zurück, um Kosten zu sparen, unter anderem das Geschäft mit Glasfaser-Leitungen.

Die Skybox-Satelliten bieten Kunden die Möglichkeit, gewünschte Gebiete mit detailreichen Fotos und 90 Sekunden langen Videos zu beobachten. Der Zukauf hatte seinerzeit die Sorgen von Google-Kritikern gestärkt, bei dem Konzern könnten noch mehr Daten landen.

Google griff für seine Kartendienste davor hauptsächlich auf Satelliten-Bilder anderer Anbieter zurück. Skybox wurde bei Google in Terra Bella umbenannt und startete mehrere Satelliten. Die Firma wollte rund zwei Dutzend Satelliten für eine weitreichende Abdeckung ins All bringen.