Davos/Washington. (ag/wak) Vor genau einem Jahr hat der jährlich erscheinende Global Risk Report noch ausdrücklich davor gewarnt, dass ein sogenannter "Black Swan" (schwarzer Schwan), also ein unerwartetes Ereignis mit weitreichenden Konsequenzen", bei technologischen Risiken auftreten kann. Unter Führungskräften in der Schweiz sowie weiteren sieben Ländern galten Cyberangriffe sogar als gravierendstes Risiko für die Geschäftstätigkeit. Ein besonders hellsichtiger Bericht angesichts der Cyberattacken, die den US-Wahlkampf überschatteten und auch jetzt, vor der Vereidigung von Donald Trump, die öffentliche Debatte beherrschen. Besitzen die Russen nun Material, mit dem sich der zukünftige US-Präsident erpressbar macht, oder nicht? Der aktuelle Global Risk Report des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos wertet jedenfalls die Wahl von Donald Trump sowie den Brexit als mögliche Unruhequellen für die weltweite Konjunktur im Jahr 2017. Außerdem wachse in Ländern überall auf der Erde die Unzufriedenheit mit dem politischen Status quo, heißt es in dem Bericht der in der Schweiz ansässigen Stiftung. Dies sei Ausdruck der wachsenden sozialen Ungleichheit sowie von Ängsten angesichts des rapiden technologischen Wandels und der Globalisierung.

Der Bericht stufte die zunehmend ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen als größtes Risiko für die globale Wirtschaft ein. Reformen des Wirtschaftssystems seien nötig, um dem wachsenden Populismus zu begegnen. Außerdem bereiten den WEF-Experten die langsame Erholung der Weltwirtschaft und die anhaltende Arbeitslosigkeit in vielen Ländern seit der Finanzkrise vor knapp zehn Jahren Sorgen.

Für den Bericht befragte das WEF rund 750 Risikoexperten aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Nächste Woche kommen im schweizerischen Davos Vertreter der globalen Politik- und Wirtschaftselite zum jährlichen Treffen des Weltwirtschaftsforums zusammen.

Trump und Brexit dominieren auch die Prognosen der Weltbank in ihrem aktuellen Halbjahresbericht. Die Ungewissheit über die Wirtschaftspolitik des künftigen US-Präsidenten Trump hat die Weltbank zu einer leichten Senkung ihrer Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft veranlasst. In ihrem Halbjahresbericht geht die Washingtoner Institution davon aus, dass die weltweite Wirtschaftsleistung heuer um 2,7 Prozent wächst. Im Juni war sie noch von 2,8 Prozent Wachstum für 2017 ausgegangen.

Keine Prognose für USA


"Es gibt eine wachsende Unsicherheit über die künftige haushalts-und handelspolitische Ausrichtung und über die Einwanderungs- und Außenpolitik der USA", erklärte die Weltbank.

Ihre Prognose für die US-Wirtschaft wollte die Weltbank - in einem ungewöhnlichen Schritt - daher nicht aktualisieren. Für 2017 erwartete sie bisher ein Wachstum von 2,2 Prozent, nach 1,6 Prozent im vergangenen Jahr.

Einen weiteren Unsicherheitsfaktor für die Weltwirtschaft sah die Weltbank nach eigenen Angaben im Votum der Briten für einen Austritt aus der EU. Die Weltbank-Ökonomen senkten ihre Wachstumsprognose für Großbritannien für 2017 um 0,9 Prozentpunkte auf 1,2 Prozent. Für den Euroraum sagten sie ein Wachstum von 1,5 Prozent voraus, warnten aber vor Erfolgen populistischer Parteien bei den Wahlen in Deutschland und Frankreich in diesem Jahr.