Wien/New York. (ast/reu) Steuersenkungen, ein stärkeres Wachstum und ein starker Dollar sorgten nach dem Wahlsieg Donald Trumps in den USA für Aufbruchstimmung an den Börsen. Obwohl mehrheitlich negative Risiken die Prognosen im angebrochenen Jahr bestimmen - Brexit, Protektionismus, fallende Rohstoffpreise -, konnte dies die Erwartungen der Märkte Ende des vergangenen Jahres kaum dämpfen. Die Aktienmarktrenditen stiegen kontinuierlich an - und das weltweit.

Denn Finanzmärkte setzen auf Meinungen und Erwartungen. Nach der US-Präsidentschaftswahl manifestierte sich deutlich, dass nicht nur die Gefahren, die von Trump ausgehen, gesehen werden, sondern auch die Chancen, sagte Peter Brezinschek von der RBI der "Wiener Zeitung". Der Chefanalyst prognostizierte bereits zu Beginn des Jahres, mitten im Höhenflug der Märkte, dass die freudige Erwartung auf Steuersenkungen und einen starken Dollar sich im Laufe des Jahres wieder abkühlen dürfte.

Märkte im "Stand-by-Modus"


Und die Prognose bestätigt sich bereits, zumindest vorerst: Die Anleger halten sich im Countdown zur Angelobung Trumps zurück und warten auf den Amtsantritt des neuen US-Präsidenten am Freitag, um ein besseres Verständnis seiner Politik zu erhalten. Die Märkte verharren daher aktuell im Stand-by-Modus.

An der New Yorker Börse verbuchte der Dow-Jones-Index am Donnerstag den fünften Handelstag in Folge ein kleines Minus. Investoren befürchten mittlerweile, dass Trumps Vorschläge zur Wachstumssteigerung die Inflation hinaufjagen werden und die Notenbank gezwungen sein wird, die Zinserhöhung zu beschleunigen. So bestätigte die Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, am Mittwochabend das Ziel der US-Währungshüter, die zuletzt im Dezember angehobenen Zinsen schrittweise weiter nach oben zu heben. Möglich seien "mehrere" Zinserhöhungen pro Jahr bis 2019. Der Dollar-Index fiel am Donnerstag im Verlauf um 0,12 Prozent auf 101,17 Punkte, während der Kurs des Euro um 0,28 Prozent auf 1,0661 Dollar stieg.

Furcht vor Twitter-Pranger


Für Investoren können überdies "breaking news" von Trumps Twitter-Account handfeste Folgen haben. So gab der Kurs von Toyota nach, als er den japanischen Konzern dafür angriff, mehr Autos in Mexiko für den US-Markt zu fertigen. Ähnlich erging es den heimischen Autobauern General Motors, Ford und Chrysler. An Boeing bemängelte Trump, dass die neue Version der Präsidentenmaschine - bekannt als "Air Force One" - zu teuer werde. Auch dem Konkurrenten Lockheed Martin warf der Politiker beim neuen Kampfjet F-35 überhöhte Kosten vor. Die Aktienkurse beider Unternehmen gaben daraufhin nach.

Viele Konzerne fürchten nun, zum nächsten Ziel Trumps zu werden, besonders, wenn sie in den USA Stellen streichen oder ihre Preise erhöhen. Auf die Furcht der Investoren vor Trump-Tweets haben Software-Programmierer bereits reagiert: So alarmiert etwa die Smartphone-App Trigger Nutzer, wenn sich der künftige Präsident auf Twitter über börsennotierte Gesellschaften allgemein oder über vorgemerkte Aktien äußert.

Aus einem aktuellen Bericht zu Erwerbslosenzahlen in den USA geht indes hervor, dass vergangene Woche 234.000 Amerikaner um Arbeitslosengeld angesucht haben. Das sind 20.000 weniger, als Ökonomen erwartet hatten. Seit der ersten Amtszeit des scheidenden US-Präsidenten Barack Obama fiel die Arbeitslosenquote nach einem kurzen Anstieg von 9,3 auf 4,9 Prozent Ende 2016.