Rom. (dpa) Es sind prächtige Bauten, in denen Italiens Banken residieren. Unicredit, Monte dei Paschi di Siena, Intesa Sanpaolo - die großen Namen der Finanzbranche haben ihre Filialen an der römischen Einkaufsmeile Via del Corso nur wenige Meter voneinander entfernt. Die Palazzi zeugen vom einstigen Glanz der Geldhäuser. Doch innen nagt der Zahn der Zeit an der Einrichtung.

Die Schalterhallen sind an diesem Februar-Nachmittag so gut wie leer, nur einige Touristen ziehen Geld am Automaten, um dann schnell zum Trevi-Brunnen oder Pantheon weiterzuziehen.

Die Szene steht sinnbildlich für den Zustand der italienischen Bankenlandschaft: außen prächtig, innen marode. Und der Zustand der italienischen Banken wiederum steht für das ganze Land. Die Geldhäuser leiden unter Bergen an faulen Krediten, die sich wegen der Wirtschaftsschwäche Italiens aufgetürmt haben. Während die einen (Unicredit) sich immerhin noch frisches Kapital bei Investoren am Finanzmarkt beschaffen können, können die anderen (Monte dei Paschi) nur mit Hilfe des Staats überleben. Die Regierung hat ein 20 Milliarden Euro schweres Hilfspaket für die Branche geschnürt.

Vom Gönner zum Sorgenkind


Gute Nachrichten unter den Großbanken liefert derzeit nur Intesa Sanpaolo. Der Stabilitätsanker der Branche hatte frühzeitig begonnen, faule Kredite abzubauen und die Kosten zu senken - das zahlt sich nun aus: Die Bank verdient Milliarden. Bis 2019 will das Management die Problemkredite sogar unter das Vorkrisenniveau drücken, hatte Bankchef Carlo Messina erklärt.

Davon können andere Banken nur träumen. Sie befinden sich im Teufelskreis: Die Banken werden ihre Probleme nicht los, weil Italien in der Flaute feststeckt. Und weil der Bankensektor marode ist, leidet Italiens Wirtschaft weiter.

Bestes oder eher schlechtestes Beispiel für die Probleme der Branche ist Monte dei Paschi di Siena (MPS). Oder wie italienische Medien die Bank auch gerne nennen: Monte dei Paschi di Stato, in Anspielung darauf, dass das Geldhaus vom Staat gestützt werden muss. Die Bank wurde 1472 gegründet. Älter ist kein anderes Geldhaus der Welt. Auf dem steinernen Boden in der Filiale in Rom prangt verheißungsvoll das geschichtsträchtige Emblem mit den lateinischen Worten "Montis Pascuorum", was so viel heißt wie: Berg des Weidelands. Spitze des Eisbergs würde es aktuell wohl besser treffen.