Washington. Das US-Kabinett ist um einen Milliardär reicher. Wilbur Ross wird neuer US-Handelsminister. Der Senat bestätigte den von Präsident Donald Trump nominierten Investor mit 72 zu 27 Stimmen. Der als "König der Konkurse" bekannt gewordene 79-Jährige erhielt damit auch viele Stimmen der Demokraten.

Handelsminister Ross. - © ap
Handelsminister Ross. - © ap

Ross ist Wirtschaftsmedien zufolge 2,5 Milliarden Dollar (2,36 Milliarden Euro) schwer, sein Vermögen kommt aus dem Investment-Geschäft. Den Spitznamen hat er bekommen, weil er mehrmals Pleite-Unternehmen aufkaufte und später mit riesigem Profit wieder verkaufte.

In Ross’ Ressort fallen die von Trump häufig scharf kritisierten internationalen Handelsabkommen. Dazu gehört etwa das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta, bei dem die USA derzeit mit Mexiko und Kanada zusammenarbeiten. Trump hat es wiederholt als schlimmstes Handelsabkommen der US-Geschichte bezeichnet. Ross profitierte nach einem Bericht der "New York Times" früher als Chef einer Firma für Autoteile von dem Abkommen, als er Arbeitsplätze von den USA nach Mexiko umsiedelte.

Ross hat als Geschäftsmann selber tausende amerikanische Arbeitsplätze ins Ausland verlegt. Das geht aus Daten des US-Arbeitsministeriums hervor, die Reuters auswertete. Demnach wurden durch sein Handeln seit 2004 etwa 2700 Stellen in der Textil-, Finanz- und Autozuliefererbranche vernichtet. Zwar bescheinigen auch Gewerkschaftsführer dem Milliardär Ross, während dieser Zeit tausende von Industriestellen in den USA gesichert zu haben. Allerdings widersprechen die Vorgänge dem erklärten Ziel Trumps, Jobs im Inland zu halten.

Einen Teil seines Milliardenvermögens machte Ross vor einem Jahrzehnt durch die Sanierung von angeschlagenen amerikanischen Industriekonzernen. Reuters-Zahlen zeigen, dass er unter anderem zwei Textil-Unternehmen aus North Carolina zur International Textile Group (ITG) zusammenfasste. Von 2005 bis 2011 wurden dabei etwa 1.300 Stellen in den USA gestrichen und dafür Teile der Produktion nach Mexiko, China und Nicaragua verlegt. Ähnlich wurde 2007 bei der International Automotive Components Group (IAC) verfahren. Dabei gingen etwa 850 Stellen nach Mexiko.

Bei seiner Senatsanhörung im Jänner sagte Ross, eine Neuverhandlung von Nafta habe oberste Priorität. "Ich bin nicht Anti-Handel", erklärte er damals. "Ich bin für Handel, aber für vernünftigen Handel." Ross hat laut Medienberichten einen "bedeutenden Teil" seiner Geschäftsbeteiligungen veräußert, um Interessenskonflikten vorzubeugen.

Trump beschuldigt Obama

Unterdessen gibt US-Präsident Donald Trump seinem Vorgänger Barack Obama "und dessen Leuten" die Schuld dafür, dass in den ersten Wochen seiner Präsidentschaft so viele Menschen auf den Straßen und auf Flughäfen gegen ihn demonstriert haben. "Niemand weiß, was genau sich hinter den Kulissen abspielt. Aber ich denke, dass Obama dahintersteckt, denn seine Leute stecken sicher dahinter", so Trump in einem Interview mit dem TV-Sender Fox News. Trump beschuldigt Obama zudem, für die Weitergabe geheimer Informationen aus dem Weißen Haus an die Presse verantwortlich zu sein.