Wien. (ast) US-Geldhäusern geht es heute, neun Jahre nach der Bankenkrise, deutlich besser, als den Finanzinstituten in Europa. Die bilanzielle Eigenkapitalausstattung ist in den USA deutlich besser, die US-Banken sind an der Börse doppelt so viel wert - kurz: Die Top-Geldhäuser in den Staaten wie etwa Goldman Sachs, Bank of America und Morgan Stanley sind so profitabel wie vor der Krise. Zu diesem Ergebnis kommt die internationale Prüfungs- und Beratungsorganisation Ernst & Young (EY), die die Bilanzen der jeweils nach Bilanzsumme zehn größten Banken in den Vereinigten Staaten und Europa untersuchte.

Europas Großbanken mussten 2016 demnach einen kräftigen Gewinnrückgang um 20 Prozent hinnehmen, während die Top-US-Häuser ihre Führungsposition ausbauen und den Gewinn nochmals um fünf Prozent steigern konnten. Damit vergrößert sich der Abstand zwischen den Top-Instituten auf den zwei Seiten des Atlantiks: Das Konzernergebnis der zehn größten europäischen Banken lag 2016 bei insgesamt 24,5 Milliarden Euro, die US-Konkurrenten erwirtschafteten hingegen ein Ergebnis von umgerechnet 116,3 Milliarden Euro.

Den mit Abstand höchsten Nettogewinn unter den US-Banken fuhr mit umgerechnet 23,4 Milliarden Euro JPMorgan Chase ein, den zweiten Platz belegt mit 20,8 Milliarden Euro Wells Fargo. In Europa führt die französische Großbank BNP Paribas mit 7,7 Milliarden Euro die Rangliste der gewinnstärksten Finanzinstitute an. Auf Rang zwei folgt mit 6,2 Milliarden Euro die spanische Banco Santander.

Auch beim bilanziellen Eigenkapital verzeichneten die europäischen Banken Einbußen - um drei Prozent auf 824 Milliarden Euro -, während die US-Institute ihr Eigenkapital um sechs Prozent auf umgerechnet 1,15 Billionen Euro steigern konnten.

Der Abstand der US-Banken zu ihren europäischen Wettbewerbern in Sachen Profitabilität hat sich auch weiter vergrößert: Die Eigenkapitalrendite, der sogenannte Return on Equity (RoE), lag bei den europäischen Top-Instituten im vergangenen Jahr bei gerade einmal 3,0 Prozent. Die US-Banken erwirtschafteten hingegen wiederholt einen RoE von 10,1 Prozent.

Steigende Strafzahlungen


Belastend wirkten sich im vergangenen Jahr die steigenden Strafzahlungen aus: Die zehn europäischen Großbanken mussten gut 9,8 Milliarden Euro an Bußgeld entrichten - ein Prozent mehr als im Vorjahr. Hier führt die Deutsche Bank mit rund sieben Milliarden Euro. In den USA stieg die Summe sogar um 53 Prozent auf umgerechnet 11,3 Milliarden Euro. Hier führt Goldman Sachs mit umgerechnet aufgerundet fünf Milliarden Euro.

In den kommenden Jahren könnte sich der Abstand zwischen den zwei Seiten noch vergrößern, setzt die US-Regierung ihre Deregulierungspläne und die geplante Steuerreform um. Der Zinsanstieg in den USA bietet den Banken dort zudem die Chance auf höhere Einnahmen im Zinsgeschäft.