• vom 23.03.2017, 19:44 Uhr

International

Update: 24.03.2017, 11:54 Uhr

David Alaba

Mia san auf Breitbart




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Von Alexander Dworzak

  • Coca-Cola und Sky werben mit David Alaba auf dem Rechtsaußen-Portal.

- © (Screenshots: Breitbart.com)

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Wien. Normalerweise wirbelt David Alaba auf der linken Außenbahn des FC Bayern München. Nun taucht Österreichs bekanntester Fußballer im Internet an der rechten Flanke auf: Die "Wiener Zeitung" sichtete seit Anfang März Online-Bannerwerbungen mit dem Konterfei des Spielers auf "Breitbart". Das rechtsdemagogische US-Webportal erlangte mit seinen Texten und Schlagzeilen traurige Bekanntheit, etwa, wonach die Pille aus Frauen "Schlampen" mache. Breitbarts langjähriger Kopf Stephen Bannon ist mittlerweile Chefstratege von Präsident Donald Trump.

Gleich zwei Unternehmen werben mit Starspieler Alaba auf Breitbart: Coca-Cola und Sky. Der Getränkehersteller ist persönlicher Sponsor des 24-Jährigen. Leger und im grauem Kapuzensweater posiert Alaba für den Werbebanner, in der linken Hand hält er eine Flasche "Coca-Cola Zero". Sky scheint auf der Webseite des Fußballers zwar nicht auf der Liste der Sponsoren auf. Der Pay-TV-Sender wirbt auf Breitbart mit dem Konterfei Alabas für seine Liveübertragungen; das Bild zeigt eine Spielszene aus dem Champions-League-Match des FC Bayern gegen den PSV Eindhoven vom Oktober 2016. Damals gewannen die Bayern mit 4:1.

Ein Debakel bedeuten hingegen die Werbungen mit Alaba für seine Vermarktungsagentur und die betroffenen Firmen. Seit November 2016 haben knapp 1600 Unternehmen (inkl. Tochterfirmen) Breitbart für ihre Werbung gesperrt. Darunter sind Milliardenkonzerne wie Daimler, Easyjet oder Siemens, wie ein Blick auf die Liste der Initiative "Sleeping Giants" zeigt. Auf Breitbart Werbung zu schalten, bedeutet mittlerweile einen Imageverlust. Dieser strahlt nun erstmals auch auf einen international bekannten Spitzensportler aus und gefährdet dessen Marke.

"Wir entwickeln Marken"

Denn Sportler inszenieren sich heute als Gesamtkunstwerke. "Wir entwickeln Marken", verspricht auch Alabas Agentur Avantgarde Sponsoring auf ihrer Webseite. Zu den offiziellen Werbepartnern des Spielers zählen Coca-Cola, Adidas und die Bank Austria, Tochter der italienischen UniCredit. Alaba, Hasttag #da27, bietet in seinem eigenen Onlineshop Schirmkappen an: "Zeig der Welt mit einer Premium-Snapback, zu welchem Team du gehörst und dass du Teil des besten Teams der Liga bist - DA27", heißt es dort. Der Linksverteidiger hat in den sozialen Medien viele Fans: Auf der Fotoplattform Instagram hat er 3,7 Millionen Abonnenten, mehr als 3,6 Millionen gefällt Alabas Seite im sozialen Netzwerk Facebook, und im Kurznachrichtendienst Twitter folgen ihm 1,18 Millionen. Auch im Nachrichtendienst Snapchat ist Alaba mittlerweile vertreten. Private Schnappschüsse und Einträge mit Fotos aus professionellen Bildagenturen wechseln einander ab, was darauf hindeutet, dass jemand Alabas Kanäle zumindest mitbetreut. In den sozialen Netzwerken hat Alaba jedenfalls alles unter Kontrolle.

Ganz anders ist das Prinzip bei Online-Werbung. Sowohl der Banner von Coca-Cola als auch von Sky wurden über Werbeplätze ausgespielt, die Google auf Breitbart platziert. Der Internetriese ist nicht nur als Suchmaschine weltweiter Marktführer, sondern der mit Abstand größte Anbieter von Online-Werbung. Statista zufolge setzte Google 2016 mit Werbung 79,4 Milliarden Dollar um. 15 Jahre zuvor waren es läppische 70.000 Dollar. Beim automatisierten Verkauf von Internet-Werbeflächen wird im Umfeld vordefinierter Stichwörter oder gemäß den Interessen des Nutzers geschalten, die sich aus dem Klick- und Suchverhalten im Netz ergeben. Auch können die Werbekunden bei Google nach Themen buchen. Breitbart fällt für Google in die Kategorie "Nachrichten" und wird dadurch mit seriösen Newsportalen gleichgesetzt.

Keine Werbeplätze stellt Google bei Seiten, die alkoholische Getränke online verkaufen, für Tabakprodukte oder illegale Drogen werben. Und auch nicht für Seiten, deren "Inhalte sich gegen Personen, Gruppen oder Organisationen" wenden. Laut den eigenen Richtlinien zieht Google eine Grenze zu Inhalten, die zu Hass anstiften oder Gewalt gegen Personen oder Gruppen aufgrund deren ethnischer Herkunft, Religion oder Geschlecht befördern. Doch wo die Grenze zwischen "Nachrichten" und der "Hass-Kategorie" verläuft, ist Betriebsgeheimnis.


© (Screenshots: Breitbart.com) © (Screenshots: Breitbart.com)

Seiten mit politischen Inhalten seien von Online-Kampagnen "prinzipiell ausgeschlossen", sagt der Sprecher von Coca-Cola in Österreich zur "Wiener Zeitung". "Wir haben mit der verantwortlichen Mediaagentur bereits Schritte eingeleitet, um die Platzierung zu stoppen." Unerwünschte Werbung lässt sich nämlich abstellen. Auf einer sogenannten Blacklist sind Webseiten gelistet, auf denen Firmen nicht mit ihren Bannerwerbungen vertreten sein möchten. Coca-Colas Aussagen legen nahe, dass Breitbart Teil der Liste ist, explizit wird es aber nicht gesagt. Prinzipielles Problem: Die Liste muss laufend aktualisiert werden. Schon eine nur mittelgroße Online-Werbekampagne für Zielpublikum in Österreich umfasst mehr als 10.000 unterschiedliche Webseiten.


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Dokument erstellt am 2017-03-23 19:48:07
Letzte Änderung am 2017-03-24 11:54:43


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