Die Cayman Islands sind bei den Banken nicht nur wegen der schönen Strände beliebt. - © RaviC -- CC 2.0
Die Cayman Islands sind bei den Banken nicht nur wegen der schönen Strände beliebt. - © RaviC -- CC 2.0

London. (wak) Kreditinstitute helfen nicht nur manchen Kunden, ihr Geld möglichst gewinnbringend zu verschieben. Auch die Banken selbst nutzen diese Möglichkeit. Die britische NGO Oxfam hat zusammen mit ihrer Tochterorganisation "FairFinanceGuide" die Bilanzen von Europas Top-Banken analysiert, um die Aktivitäten in Steueroasen besser verstehen zu können. Möglich wurde der Vergleich, da mit 2015 die großen Geldhäuser in der EU Berichterstattung über die Aktivitäten in den einzelnen Ländern legen müssen.

Und auch wenn Oxfam in der Studie selbst warnt, dass die Daten mit Vorsicht zu genießen seien, so zeichnet sich doch ein deutlicher Trend ab. Nämlich dass die international operierenden Banken in steuerfreundlichen Ländern in Relation zu ihrer eigentlichen Tätigkeit besonders viel Gewinn verbuchen.

Bei den von Oxfam untersuchten 20 größten europäischen Banken (darunter kein Institut aus Österreich, allerdings die Bank-Austria-Mutter Unicredit) wurde jeder vierte Euro Gewinn in einer Steueroase erzielt - das sind zusammengenommen geschätzte 25 Milliarden Euro im Jahr 2015. Damit ist die in Niedrigsteuerländern stattfindende Gewinnschöpfung der Banken "offensichtlich überproportional" zu der Geschäftstätigkeit, wie es die Studie formuliert. Bei den untersuchten Großbanken handelt es sich neben Unicredit um die europäischen Riesen wie beispielsweise Credit Agricole, Deutsche Bank, Commerzbank, Santander und HSBC.

In den Ländern, in denen die Institute ihre Wertschöpfung so extrem konzentrieren können - neben den üblichen Verdächtigen wie den a und Singapur auch europäische Staaten wie Luxemburg und Irland -, lebt nur ein Prozent der Weltbevölkerung, und nur fünf Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts werden dort geschöpft.

Aber auch heruntergebrochen auf die betriebswirtschaftliche Ebene ergibt sich eine Schieflage: In den Niedrigsteuerländern machen die Banken bei einem Viertel ihres Gewinnes nur 12 Prozent des Umsatzes und beschäftigen lediglich sieben Prozent der Mitarbeiter. Anders ausgedrückt: Die Angestellten der europäischen Kredithäuser in den Steueroasen sind vier Mal produktiver und generieren im Schnitt 171.000 Euro pro Jahr, verglichen mit 45.000 Euro des durchschnittlichen Angestellten. Der so errechneten durchschnittlichen hohen Produktivität der Bankangestellten in den Niedrigsteuerländern hilft die Tatsache, dass mindestens 628 Millionen Euro Gewinn der Banken in Steueroasen generiert wurden, in denen die Geldinstitute nicht einmal Mitarbeiter haben.

Im Fall von Luxemburg sieht das folgendermaßen aus: Die 20 größten europäischen Banken verbuchten 2015 einen Gewinn von 4,9 Milliarden Euro in dem kleinen europäischen Land. Das ist mehr als die zusammengenommene Summe der Gewinne, die sie in dem Vereinigten Königreich, in Schweden und in Deutschland erzielen konnten.

Die britische Bank Barclays, Europas fünftgrößtes Geldinstitut, verbuchte 557 Millionen Euro Gewinn in Luxemburg und zahlte darauf eine Million Euro Steuer - das ergibt eine Steuerrate von schlanken 0,2 Prozent.

Viele europäische Banken zahlen gar keine Abgaben in den Steueroasen - Oxfam errechnete etwa, dass 383 Millionen Euro gar komplett steuerfrei erwirtschaftet worden sind.

Gleichzeitig würden die Geldinstitute in den Ländern, in denen sich ein Großteil ihrer Geschäftstätigkeit entfaltet, dafür Verluste bilanzieren. Die Deutsche Bank schrieb 2015 etwa einen Verlust in Deutschland, während sie laut Oxfam zusammengerechnet knapp zwei Milliarden Euro Gewinn in den Niedrigsteuerländern erwirtschaftete.