Ganz und gar nicht, aber die Tendenz geht in die Richtung, dass Privatinvestitionen durch Firmen viel wichtiger sein werden als Ausgaben durch die öffentliche Hand.

Indem sie mehr Geld ins Land bringen oder indem Investoren auch Entwicklungspolitik betreiben?

Zweiteres. Weil Privatinvestoren Investitionen machen, die einen Nutzen für die Entwicklung haben. Das bedeutet aber, dass Firmen auch das Wissen haben müssen, wie sie ihre Investitionen für Entwicklung öffnen können. Es gibt hier etwa das Beispiel der Brauereien. Sie sehen in Afrika einen Absatzmarkt für Bier, der aber voraussetzt, dass sie eine sichere Trinkwasserquelle haben müssen. Es liegt also in ihrem Business-Interesse, dass auch die lokalen Gemeinschaften sauberes Trinkwasser haben.

Aber wer kümmert sich um das Wasser, wenn die Brauerei nicht mehr da ist, weil plötzlich die Löhne woanders billiger werden? Sind die Menschen in diesem Modell nicht enorm vom Wohlwollen des Investors abhängig?

Es gibt einen wichtigen Unterschied: Die Investition wird vielleicht von der Brauerei gemacht. Das heißt aber nicht, dass sie den Brunnen gräbt oder betreibt. Sie kann sich auch jemanden aussuchen, der bestplatziert ist, um dieses Projekt umzusetzen. Das mag eine internationale oder lokale Firma sein - oder auch die lokale Gemeinschaft. Wir müssen also trennen: Wer trifft die Investitionsentscheidung, wer hat die Mittel für die Investition und wer setzt sie auf welche Art und Weise um. Und unabhängig davon, ob die Investition von der Regierung, einer internationalen Organisation oder einer privaten Firma finanziert wird - das Umfeld bleibt immer dasselbe. Man muss sich mit den lokalen Gemeinschaften auseinandersetzen, darüber Gedanken machen, wie das Projekt gemanagt wird und wer dabei Entscheidungsrechte hat.

Die Brauerei profitiert selber vom sauberen Wasser. Aber bei anderen Investoren kann man sich fragen, warum sie Interesse an Entwicklung haben sollten. Afrika ist ja ein Kontinent voller Ressourcen. Wie die Menschen rund um Ölquellen leben, kann ja dem Investor egal sein. Der will doch oft nur durch möglichst niedrige Produktionskosten möglichst viel Gewinn machen.

Traditionell haben wir Entwicklungsländer sehr stark als Quelle für Rohstoffe gesehen, und die Märkte waren alle im Westen und im Norden. Diese Märkte aber wachsen nicht mehr. Plötzlich sind die früheren Lieferanten von Ressourcen unsere künftigen Absatzmärkte. Firmen sind dadurch veranlasst, anders zu denken. Sie werden es nämlich nur schaffen, in diesen Ländern Fuß zu fassen, wenn sie sich verantwortungsvoll bewegen und bei den Konsumenten einen guten Ruf haben.

Noch immer gibt es aber viele abgelegene, verarmte Regionen in Afrika. Dort leben ein paar Bauern von dem, was sie anbauen. Sie bewegen sich außerhalb des Wirtschaftskreislaufes. Warum sollten Investoren dort etwas aufbauen wollen?

Es ist nicht so, dass der Staat keine Funktion mehr hat - bloß weil wir private Investitionen haben und die in Summe viel höher sind als die des Staates. Der Staat hat die wichtige Rolle, Rahmenbedingungen zu setzen und sich um marginalisierte Bevölkerungsgruppen zu kümmern. Zudem ist zu bedenken: Wenn Staaten automatisch gut wären, wäre es nie so weit gekommen. In vielen Ländern ist es kein Zufall, welche Gruppen marginalisiert sind: Sie gehören etwa der falschen Ethnizität, Partei oder Religion an. Da kommt das Mandat von internationalen Organisationen hinein: Sie sollen Staaten verantwortlich halten, Rahmenbedingungen zu schaffen, die allen Gruppen in der Bevölkerung zugutekommen. Können private Investitionen trotzdem noch eine Rolle spielen? Selbstverständlich. Werden Privatinvestoren sich darum reißen, in einer abgelegenen Gemeinschaft von 30 Leuten ein Krankenhaus zu bauen? Wahrscheinlich nicht. Der Punkt ist: Investitionen finden so oder so statt, jeden Tag und jede Stunde werden Investitionsentscheidungen getroffen. Und man kann einen Ansporn geben, dass sie auf eine Art und Weise stattfinden, die auch zu Entwicklungsvorteilen führt.