Frankfurt.Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich steigt bei Anlegern die Anspannung. Für zusätzliche Unruhe sorgte am Dienstag die überraschende Ankündigung vorgezogener Neuwahlen in Großbritannien: DAX und EuroStoxx50 verloren jeweils rund 0,9 Prozent und fielen auf 12.000 und 3419 Punkte.

"Investoren haben derzeit nur die Entwicklung in Frankreich im Kopf und werden diese Woche sehr vorsichtig agieren", sagte Chris Scicluna, Chef-Analyst der Investmentbank Daiwa Capital Markets. In aktuellen Umfragen trennen die vier wichtigsten Kandidaten nur drei bis vier Prozentpunkte. Für die erste Runde der Präsidentschaftswahl am 23. April sehen Demoskopen weiterhin den unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron sowie Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National vorne. Ein Sieg der Euro-Kritikerin Le Pen bei der Stichwahl am 7. Mai würde die Börsen Experten zufolge ins Chaos stürzen und die Gemeinschaftswährung auf Talfahrt schicken. Am Dienstag verteuerte sich der Euro allerdings um einen knappen halben US-Cent auf 1,07 Dollar.

Lira wertete weiter auf


Die Nervosität spiegelte sich auch am Anleihemarkt wider: Der Renditeaufschlag (Spread) für zweijährige französische Papiere zu vergleichbaren deutschen Titeln stieg auf ein Zwei-Monats-Hoch. Gleichzeitig kletterte der Bund-Future, der auf der als sicher geltenden zehnjährigen Bundesanleihe basiert, um bis zu 18 Ticks auf 163,72 Punkte.

Indes kündigte die britische Premierministerin Theresa May für den 8. Juni Parlamentswahlen an - die ihre Konservative Partei gewinnen dürfte. "Das ist ein kluger Schachzug und sollte mehr Stabilität für die Zeit unmittelbar nach dem Ausstieg aus der EU bieten", sagte Simon Derrick, Chef-Analyst der Bank of New York Mellon. Das britische Pfund legte nach der Verkündung im Vergleich zu Dollar und Euro deutlich zu. Der Kurs stieg auf 1,2766 US-Dollar und erreichte so den höchsten Stand seit dem 6. Dezember. Allerdings ist die Währung noch immer um mehr als 15 Prozent günstiger als vor der Brexit-Entscheidung im Juni 2016.

Auch die Verfassungsreform in der Türkei beschäftigte die Börsianer. Am Sonntag hatten die Wähler mit 51,4 Prozent für die Einführung eines Präsidialsystems gestimmt. Die Währung des Landes wertete am Dienstag zwar weiter auf, der Leitindex der Istanbuler Börse hielt sich gegen den europäischen Trend knapp im Plus. Die Stimmung kann laut Experten aber schnell kippen, weil die erwartete Verschlechterung der Beziehungen zur EU die türkische Wirtschaft weiter belasten wird. Commerzbank-Analyst Tatha Ghose sagte für die kommenden Monate einen Anstieg des Dollars auf 3,75 Lira voraus. Am Dienstag kostete diese 3,68 Dollar.