San José. Es ist ein eigenartiger Anblick, wenn Mark Zuckerberg durch die kargen Hallen des weitläufigen Konferenzzentrums von San José spaziert. Egal, wohin der Facebook-Gründer seinen Fuß während der am Dienstag gestarteten hauseigenen Entwicklerkonferenz F8 setzt, in kürzester Zeit ist er umringt von einer Traube von Menschen. Sofort zücken sie ihr Smartphone und verlieren fast die Nerven, weil sie sich nicht entscheiden können, für welchen Kanal sie ihn fotografieren oder filmen sollen - Instagram, Instagram Stories, Snapchat, Twitter, oder doch Facebook Stories?

Auch die Konferenzbesucher, bei denen sich der Gründer und Multimilliardär bei seinem Rundgang erkundigt, wie ihnen die F8 bisher gefalle, halten ihm ihr Handy wenige Zentimeter vor die Nase. Zuckerberg scheint das nicht zu stören, und das wäre wohl auch ein wenig blasphemisch: Immerhin basiert Facebook darauf, dass die Menschen unentwegt Ereignisse in ihrem Leben mit ihren Freunden teilen.

Virtuelle Informationen
über echte Objekte


Wer die leise Hoffnung hegt, das ständige Posieren, Fotografieren und Posten, das Menschen in allen Ländern und Gesellschaftsschichten erfasst hat, würde bald ein Ende finden, wurde von Zuckerberg enttäuscht. In seiner Keynote zum Auftakt der zum zehnten Mal stattfindenden Facebook-Entwicklerkonferenz sprach der 32-Jährige ausführlich über Augmented Reality (AR), erweiterte Realität. Und da der Weg zu Brillen (oder gar Kontaktlinsen), die Objekte und Informationen in die reale Welt einblendet, für eine massive Verbreitung von AR offenbar noch weit ist, muss bis dahin die Smartphone-Kamera herhalten. "Wir machen die Kamera zur ersten Augmented-Reality-Plattform", sagte Zuckerberg. Wer schon einmal Pokémon Go gespielt hat und nach Einschalten der Kamera virtuelle Pokémons auf seinem echten Schreibtisch sitzen sah, sich selbst bei Snapchat einen Bart verpasst hat oder durch das Schlafzimmer fliegende virtuelle Schmetterlinge entdeckte, hat eine ungefähre Vorstellung davon, was die Zukunft bringen soll.

Zuckerberg zeigte Aufnahmen eines Frühstückstisches mit einer Müsli-Schüssel, um die virtuelle Fische springen und in den Tisch eintauchen, als sei er Wasser. Er platzierte einen virtuellen Blumentopf auf den Tisch, der sich nahtlos in das Bild einfügt. Möglich ist das, weil die Software die Inhalte von Fotos, seien es Objekte, Menschen, Vorder- oder Hintergründe, immer besser erkennt und sie in strukturierte Daten umwandeln kann, und zwar direkt am Smartphone.