Remicade hat Merck Milliardengewinne beschert. - © Merck
Remicade hat Merck Milliardengewinne beschert. - © Merck

London. Die britische Wettbewerbsbehörde hat dem US-Pharmakonzern Merck & Co unfaire Rabattpraktiken zur Abwehr biotechnologisch hergestellter Nachahmerarzneien vorgeworfen. Erste Ermittlungen hätten ergeben, dass die für seinen Wirkstoff Remicade eingeräumten Vergünstigungen darauf abzielten, den Wettbewerb mit sogenannten Biosimilar-Produkten einzuschränken, teilten die Aufseher am Dienstag mit.

Vorläufigen Ergebnissen zufolge habe die europäische Einheit Merck Sharp & Dohme (MSD) des US-Konzerns ihre marktbeherrschende Stellung möglicherweise missbraucht. Ob tatsächlich ein Verstoß gegen Wettbewerbsrecht vorliege, werde aber erst nach einer Anhörung entschieden.

Firma will kooperieren

Einem Insider zufolge bot MSD Kunden Rabatte an, die weiter in gleicher Menge Remicade kauften. Die Preisnachlässe seien aber verwehrt worden, wenn Kunden auch die biotechnologisch hergestellten Nachahmerpillen erwarben. MSD wies die Vorwürfe zurück und teilte mit, die Rabatte hätten zu konkurrenzfähigen Preisen geführt und den Wettbewerb nicht behindert.

Die Firma werde mit der Aufsichtsbehörde vollständig kooperieren. MSD zeigte sich zuversichtlich, dass das Verfahren die Einhaltung der Gesetze bestätigen werde. Die britische Wettbewerbsbehörde CMA kann gegen Unternehmen Geldstrafen von bis zu zehn Prozent ihres weltweiten Umsatzes verhängen, falls diese gegen Wettbewerbsrecht verstoßen.

Erste legal nachahmbares Arzneimittel

Remicade, auch als infliximab bekannt, ist ein Wirkstoff, der zur Behandlung von rheumatoider Arthritis sowie Morbus Crohn eingesetzt wird. Es war der erste Antikörper-Arzneistoff, für den die europäischen Aufseher Nachahmerversionen zuließen.


Link-Tipps
Merck Geschäftsbericht (PDF)
wienerzeitung.at ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Dies führte zu billigeren Produkten von Biosimilar-Arzneimittelherstellern. Darunter ist auch die für den US-Rivalen Pfizer arbeitende Firma Celltrion aus Südkorea.

Remicade war für Merck jahrelang ein Kassenschlager. Angesichts der Konkurrenz fiel der Umsatz aber von 1,8 Milliarden Dollar im Jahr 2015 auf 1,3 Milliarden Dollar 2016.

.