Wien. (kle) Jahrelang haben Bankenaufseher und vor allem angelsächsische Analysten die Aktivitäten österreichischer Kreditinstitute in Osteuropa sehr kritisch beurteilt. Zum Teil tun sie das noch immer - mittlerweile aber in geringerer Intensität. Am Donnerstag hat die Raiffeisen Bank International (RBI), die schon seit langem in Osteuropa tätig ist, ihren neuesten "CEE Banking Sector Report" veröffentlicht. Eine der Kernaussagen der jährlich erscheinenden Publikation: 2016 hat der osteuropäische Bankensektor die Profitabilität westeuropäischer Institute wieder deutlich übertroffen und damit die Jahre sinkender Profitabilität beendet.

Die Eigenkapitalrentabilität, sozusagen die Verzinsung des eingesetzten Kapitals, lag in Osteuropa im Durchschnitt bei zehn Prozent, während sie im Bankensektor der Eurozone bei fünf bis sechs Prozent stagnierte. Der einzige verlustbringende Markt im Osten Europas sei die Ukraine gewesen.

"Goldrausch" vorbei


Aus Sicht des RBI-Reports ebenfalls positiv: In mehreren Ländern Osteuropas (auch in Russland) hat sich das Kreditrisiko 2016 reduziert. Insgesamt stabilisierte sich in der Region die Quote der faulen Kredite bei rund acht Prozent (von 100 vergebenen Krediten waren also acht notleidend).

Laut der Raiffeisen-Studie stieg die Summe der Aktiva in der osteuropäischen Bankenbranche im Verhältnis zum Bankensektor der Eurozone 2016 von 8,3 auf 9 Prozent, was einer Bilanzsumme von 2384 Milliarden Euro entspricht. Die Zeiten der außerordentlich hohen Wachstumsraten im CEE-Banking seien jedoch vorbei, heißt es. Zum Teil spiegle sich das auch darin wider, dass der Marktanteil der ausländischen Banken in Osteuropa den tiefsten Stand der letzten zehn Jahre erreicht habe.

Der größte osteuropäische Bankenmarkt ist Russland mit 1255 Milliarden Euro Bilanzsumme. Zu Russland, das seit Jahren in einer Rezession steckt, hält der RBI-Report fest, dass sich die Geschäftsentwicklung stabilisiert habe. Die dort engagierten westeuropäischen Banken hätten 2016 wieder durchatmen können. Wie überall in Osteuropa sei es aber auch im Banking in Russland mit dem "Goldrausch" vorbei.