Janet Yellen muss Fed-Politik inmitten von Zurufen gestalten. - © afp
Janet Yellen muss Fed-Politik inmitten von Zurufen gestalten. - © afp

Washington. (wak/apa/reuters) Während seines Wahlkampfes hat der nunmehrige US-Präsident Donald Trump die Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, unverhohlen kritisiert. Sie würde "aus politischen Gründen" die Zinsen niedrig halten, warf ihr Trump, damals noch mehr Immobilien-Tycoon denn Amtsinhaber, vor. Denn die niedrigen Zinsen würden die Konjunktur nur künstlich beleben.

Nun tagt am Dienstag und Mittwoch der geldpolitische Ausschuss FOMC der Fed - und die Erwartungshaltung der meisten Beobachter ist: Die Fed wird die Zinsen weiter anheben. Allerdings nur ein Stückchen, konkret 0,25 Prozentpunkte.

Trump hat unterdessen laut einem Bericht des "Wall Street Journals" bei einem kürzlich über die Bühne gegangenen Treffen mit Fed-Chefin Yellen erklärt, er, Trump, sei ein Freund der niedrigen Zinsen. Und er habe Grund zur Annahme, dass Yellen, wie er selbst, die Niedrigzinspolitik favorisiere, so der Bericht der Zeitung. Yellens Amtsperiode an der Spitze der Fed läuft im Februar 2018 aus. Berichten vom April dieses Jahres zufolge hat Trump "sich noch nicht entschieden", ob Yellen von ihm für eine weitere Periode nominiert wird. Das hängt wohl von der Politik der Fed im nächsten Halbjahr ab. Wie viele Zinsschritte folgen noch? Und wie schmelzt die Fed die aufgeblasene Bilanzsumme ab?

Der Zinsschritt von heute, Mittwoch, in der erwarteten Höhe von 0,25 Prozent gilt auf dem Weg dorthin inzwischen nur noch als reine Formalität. Dann liegt die Fed Funds Rate, wie der Leitzins im Fachjargon heißt, vorerst einmal in einer Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent.

Es wäre die vierte Anhebung seit Beginn der Zinswende Ende 2015. Zuvor war der Zins fast ein Jahrzehnt an der Nulllinie.

Die Fed hat an diesem Mittwoch fast keine andere Wahl, auch wenn sich in der US-Konjunktur derzeit ein ambivalentes Bild abzeichnet: Der Arbeitsmarkt wächst zwar robust, aber die Inflation hat sich zuletzt sogar in die falsche Richtung entwickelt: Die Teuerung ist wieder auf dem Rückmarsch, und laut der Analyse der BayernLB fallen auch die für die Geldpolitik noch wichtigeren Erwartungen an die Inflation. "In diesem Zusammenhang fällt der Beschluss eines Zinsschritts schwer", schreibt BayernLB-Expertin Christiane von Berg. Doch auch sie zweifelt nicht an der zweiten Zinsanhebung in diesem Jahr. Denn der entscheidende Grund dafür sind die Markterwartungen. Die Fed ist bekannt dafür, dass sie den Erwartungen der Börsen großes Gewicht einräumt, um starke Marktreaktionen auf ihre Entscheidungen so gut es geht zu vermeiden. Und die Markterwartungen sind eindeutig: Weil die Fed selbst seit längerem deutliche Hinweise auf eine Zinsanhebung im Sommer gegeben und bisher kein ranghoher Notenbanker widersprochen hat, gehen die Marktteilnehmer de facto sicher von einem Zinsschritt aus. Aktuell beträgt die dafür aus Finanzkontrakten abgeleitete Wahrscheinlichkeit mehr als 90 Prozent.

Wie wird die Fed die Wertpapiere wieder los?


Ein perspektivisch immer wichtiger werdendes Thema könnte am Mittwoch ebenfalls zur Sprache kommen: der Abbau der Fed-Bilanz. Als Folge ihrer massiven Wertpapierkäufe während und nach der Finanzkrise hat sich die Bilanz der Fed von weniger als einer Billion auf 4,5 Billionen Dollar aufgepumpt. Damit daraus kein Dauerzustand wird, will die Fed Luft aus ihrer Bilanz lassen. Voraussichtlich wird sie deshalb um die Jahreswende 2017/18 herum damit beginnen, Beträge aus fälligen Wertpapiere nicht mehr wie bisher zu reinvestieren. Konkrete Pläne dazu gibt es aber ebenso wenig wie eine Antwort auf die Frage, ob der Bilanzabbau das Zinsstraffungstempo der Fed verringert.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer erwartet für 2018 noch drei Anhebungen. Damit dürfte die Schere zum Euro-Raum weiter aufgehen, wo der Chef der Europäischen Zentralbank EZB, Mario Draghi, weiter auf den Nullzins setzt. Das könnte zu einem neuen Problem werden, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD zuletzt schon gewarnt hatte: "Ein wachsendes Zinsgefälle zwischen den Vereinigten Staaten und anderen großen Währungsräumen könnte infolge unvorhersehbarer Finanzströme zunehmende Finanzmarktspannungen und -turbulenzen verursachen."