Mehrere Unternehmen mit Milliardenumsätzen haben nach Anfrage der "Wiener Zeitung" den Kanal "NuoViso.TV" für Werbung gesperrt, bleiben aber mit ihren Clips auf anderen YouTube-Kanälen vertreten; darunter sind Mercedes-Benz, Media Markt (Metro Group), Porsche Holding Salzburg und T-Mobile-Austria. Die Zentrale Raiffeisenwerbung ließ über ihre Agentur ausrichten, "nicht weiter Stellung zu beziehen".

Angst vor Googles Marktmacht

Ein Storno bei Google ist heikel, denn der Internetriese ist der dominierende Anbieter digitaler Werbung. Alleine im ersten Quartal stiegen die Werbeerlöse um 19 Prozent auf 21,4 Milliarden Dollar (19,1 Milliarden Euro). Traditionelle Medienkonzerne brüten hingegen noch immer über der Zauberformel, wie sie online Geld verdienen. Selbst die "New York Times" nahm von Jänner bis März vergleichsweise läppische 50 Millionen Dollar (44,7 Millionen Euro) mit Onlinewerbung ein. Das sind zwar 19 Prozent mehr als im Vorjahresquartal, aber die Erlöse aus der Werbung für die gedruckte Zeitung sanken so stark, dass die gesamten Werbeeinnahmen um sieben Prozent fielen.

Aufgrund dieser Marktmacht Googles wollen viele Konzerne nicht auf Werbeplätze bei YouTube oder auf Millionen Webseiten, die im Google Display Network vertreten sind, verzichten - und das trotz unsicherer Ausspielung ihrer Clips. Das bestätigen Werbekunden der "Wiener Zeitung" hinter vorgehaltener Hand. Sie gingen öffentlicher Kritik aus dem Wege, versuchen stattdessen, in direkten Gesprächen Verbesserungen herbeizuführen.

Wandel nur durch Druck

Dabei war es nicht der konstruktiv-amikale Dialog, sondern der durch Werbestornos aufgebaute Druck, welcher Google veranlasst hat, seine Richtlinien zu verschärfen. So stehe nun ein Team von Mitarbeitern aus aller Welt bei "heiklen Ereignissen" bereit, um unpassende YouTube-Videos "aus dem Verkehr zu ziehen", heißt es in einem Folder Googles an Werbekunden. Der Konzern verweist auch auf die Fülle an neuem Videomaterial: 300 Stunden würden pro Minute hochgeladen. Werber können mittlerweile auch YouTube-Kanäle unterschiedlicher Kategorien ausschließen; neu sei dabei die Kategorie "heikles Thema", das etwa Selbstmord, Angriffe auf Tiere und Autounfälle beinhalte, schreibt Google.

Reibungslos funktioniert die Kategorisierung nicht, wie "NuoViso.TV" zeigt. Das bedeutet einen gehörigen Kratzer für die gerne strahlend auftretende Marke Google - die nicht Stellung bezieht, warum sie Werbung auf "NuoViso.TV" zulässt.