Berlin. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Wahlkampfteam werden die Nachricht mit Freude registrieren: Die Stimmung der deutschen Verbraucher ist wegen der robusten Konjunktur so gut wie seit fast 16 Jahren nicht mehr. Der von den GfK-Experten ermittelte Konsumklima-Index für August stieg überraschend um 0,2 auf 10,8 Punkte, wie die Nürnberger Marktforscher am Donnerstag mitteilten.

Die Konsumenten blicken zuversichtlicher auf die Wirtschaftsentwicklung und bewerten ihre eigene Finanzlage so gut wie noch nie seit der deutschen Wiedervereinigung. "Die Stimmung ist ausgesprochen gut", sagte GfK-Fachmann Rolf Bürkl.

Ungewisse Brexit-Einflüsse

Allerdings warnt die GfK auch vor Rückschlägen. "Die kürzlich eröffneten Brexit-Verhandlungen, die im Hinblick auf den Handel unklare Politik der amerikanischen Regierung sowie die sich verschärfende Krise in den Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei haben sich bisher nicht messbar auf die Konsumstimmung ausgewirkt", sagte Bürkl. "Sollte es dennoch dazu kommen, könnte dies zu einer Belastung für das Konsumklima werden."

Doch im Moment sehen die 2.000 befragten Verbraucher die Wirtschaftsentwicklung äußerst positiv: "Die Bundesbürger gehen davon aus, dass die heimische Konjunktur im weiteren Verlauf des Jahres sogar noch einen Gang hochschalten kann", sagte Bürkl. Das Ifo-Geschäftsklima - der wichtigste Frühindikator für die deutsche Konjunktur - erreichte im Juli den dritten Monat in Folge einen Bestwert.

Rosige Perspektiven

Angesichts der guten konjunkturellen Aussichten schätzen die Verbraucher auch ihre eigenen finanziellen Perspektiven rosig ein. Ihre Einkommenserwartungen erreichten den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. "Basis dieser Einkommenseuphorie ist und bleibt die ausgezeichnete Verfassung des Arbeitsmarktes in Deutschland", sagte Bürkl. Derzeit haben so viele Deutsche Arbeit wie noch nie.

Abstriche wollen die Konsumenten dagegen bei größeren Anschaffungen machen. Dieses Barometer gab leicht nach, bleibt aber auf hohem Niveau. "Für den Großteil der Arbeitnehmer ist das Risiko, den Job zu verlieren, sehr gering", betonte Bürkl. "Dieses Wissen gibt den privaten Haushalten Planungssicherheit für Anschaffungen, gerade wenn sie mit einem hohen finanziellen Risiko verbunden sind."

Deutscher Aufschwung geht weiter

Die deutsche Wirtschaft soll ihren Aufschwung auch in den Sommermonaten kaum gebremst fortsetzen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte im dritten Quartal um 0,5 Prozent wachsen, sagte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung am Donnerstag voraus. Zu Jahresbeginn hatte es zu 0,6 Prozent gereicht, Ökonomen zufolge wurde dieses Tempo im Frühjahr gehalten.

"Nach dem kräftigen ersten Halbjahr wächst die deutsche Wirtschaft weiter überdurchschnittlich", sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. "Und auch wenn das Tempo etwas geringer ausfällt als zuvor: Die Kapazitäten bleiben gut ausgelastet."

Trotz der guten Konjunktur müssten die Verbraucher keine kräftigen Preiserhöhungen befürchten, sagte Fichtner: "Auch wenn die Inflation etwas höher ausfallen könnte – ein starkes Anziehen des Preisniveaus ist auf absehbare Zeit nicht zu erwarten".