Frankfurt. Verbraucher merken es im Urlaub: Sie bekommen in einigen Ländern außerhalb des Euroraumes mehr für ihr Geld - insbesondere bei Trips in die USA. Die Gemeinschaftswährung steigt seit geraumer Zeit und erreichte zuletzt mit zeitweise 1,1777 Dollar den höchsten Stand gegenüber dem US-Dollar seit zweieinhalb Jahren. Der Euro war damit so wertvoll wie seit Jänner 2015 nicht mehr.

Jüngster Preistreiber beim Euro sind geldpolitische Entscheidungen der US-Notenbank Fed vom Vorabend. Die amerikanischen Währungshüter hatten auf ihrem Weg einer strafferen Geldpolitik vorerst eine Pause eingelegt und den Leitzins nicht weiter angehoben. Außerdem sahen Experten in der Stellungnahme der Fed Hinweise, dass sich die Währungshüter bei künftigen Zinserhöhungen eher Zeit lassen werden. Dies hatte den Dollar belastet und dem Euro im Gegenzug Auftrieb verliehen.

Die Wirtschaft im Euroraum brummt, auch das stärkt den Euro. Verbraucher profitieren unter anderem bei Auslandreisen davon. Die Stärke der Gemeinschaftswährung hat allerdings auch Schattenseiten.

Gute Konjunktur

Die politische Unsicherheit im Euroraum ist seit der Wahl des Pro-Europäers Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten deutlich gesunken. "Die Befürchtungen, dass der Brexit in anderen EU-Staaten Nachahmer finden könnte, haben sich nicht bestätigt. Ebenso wenig hat sich der Siegeszug populistischer Parteien fortgesetzt", erläutert LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert. Zudem zieht die Konjunktur im Euroraum an, die Arbeitslosigkeit sinkt, Verbraucher und Unternehmen sind in guter Stimmung.

"Der starke Euro ist hauptsächlich das Resultat einer schnelleren wirtschaftlichen Erholung", argumentiert Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Der Internationale Währungsfonds (IWF) traut den 19 Ländern des gemeinsamen Währungsraumes in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent zu und damit etwas mehr als zuletzt erwartet. Steigt das Vertrauen in den Euroraum, kehren Investoren zurück.

Belasteter Dollar

Die US-Währung - wegen der Farbe der Banknoten auch "Greenback" genannt - schwächelt nicht nur im Vergleich zum Euro, sondern auch gegenüber anderen wichtigen Währungen, etwa dem japanischen Yen oder dem Schweizer Franken. "In den USA ist die Euphorie in einen Trump-Blues umgeschlagen", urteilt die Landesbank Helaba. Bei Investoren macht sich Ernüchterung breit über US-Präsident Donald Trump, der mit der Ankündigung von Steuerreformen und milliardenschweren Investitionen in die Infrastruktur angetreten war.

Die "schwindende Hoffnung auf eine signifikante Steuerreform in den USA, Sorgen über den erratischen Politikstil der neuen US-Regierung und zu guter Letzt wachsende Zweifel an der Fed haben dem Greenback ordentlich zugesetzt", erläutert die DZ Bank. Die Entwicklung von Staatsausgaben und Steuereinnahmen in den Vereinigten Staaten sei derzeit "unsicher", analysiert der IWF.

Gegenwind für Exportwirtschaft

Steigt der Euro gegenüber Dollar und Co., werden Produkte der Euro-Länder außerhalb des gemeinsamen Währungsraumes teurer. Das kann die Nachfrage dämpfen. Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft dürfte der Gegenwind vom Devisenmarkt eher zunehmen, sagt Commerzbank-Analyst Marco Wagner voraus. Von seinem Höchststand von mehr als 1,60 Dollar im Sommer 2008 ist der Euro aktuell allerdings noch deutlich entfernt.

Billigeres Öl

Rohstoffe wie beispielsweise Öl, die in der US-Währung gehandelt werden, werden im Einkauf tendenziell billiger. Das kann die Budgets der Verbraucher beim Tanken und Heizen entlasten. Im Juni war nach Angaben des deutschen Statistischen Bundesamtes leichtes Heizöl 5,0 Prozent billiger als im Mai, Sprit kostete 1,4 Prozent weniger - auch weil der Rohölpreis gesunken war. Gegenüber dem Vorjahr wurden Heizöl und Sprit nur geringfügig teurer. Ein weiterer Vorteil aus Verbrauchersicht: Urlaub in manchen Ländern außerhalb des Euroraumes - insbesondere in den USA - wird tendenziell günstiger.