Wolfsburg. (da) "Ich möchte meine Ingenieure an der Zukunft arbeiten lassen und nicht rückwärtsgewandt an zehn bis 15 Jahre alten Motoren", sagte der Volkswagen-Vorstandsvorsitzende Matthias Müller in der vergangenen Woche mit Blick auf die Nachrüstung alter Diesel-Pkw. Keine Woche später, am Dienstag, verkündeten die drei Konzernmarken VW, Skoda und Audi Verschrottungsprämien für Selbstzünder der Abgasnormen Euro 1 bis Euro 4.

"Umweltprämie" nennt das Europas größter Autobauer. Bei der Wolfsburger Kernmarke VW reicht diese von 2000 Euro für den Kleinwagen Up über 5000 Euro für einen alten Golf bis hin zu 10.000 Euro für den geländetauglichen Touareg. Ebenfalls maximal 10.000 Euro sind bei Audi zu holen, während die tschechische Tochter Skoda höchstens 5000 Euro Verschrottungsprämie anbietet. Das Angebot ist bis Jahresende gültig beim Kauf eines Diesel oder Benziners, der die Abgasnorm Euro 6 erfüllt.

Dabei handelt es sich zwar nominell um die aktuell beste Schadstoffklasse. Doch ausgerechnet Euro-6-Dieselfahrzeuge schnitten bei Abgastests desaströs ab. Gemäß des deutschen Umweltbundesamts stießen diese Pkw im Realbetrieb auf der Straße durchschnittlich 507 Milligramm Stickoxide pro Kilometer aus. Der Grenzwert liegt bei lediglich 80 Milligramm NOX - allerdings im Testbetrieb.

Zwar verspricht Volkswagen, ein - für den Autobesitzer kostenloses - Update der Motorsteuerung würde die NOX-Emissionen bei Fahrzeugen mit den Normen Euro 5 und Euro 6 um durchschnittlich 25 bis 30 Prozent senken. Das kostet die Branche alleine in Deutschland rund eine halbe Milliarde Euro, ist damit aber deutlich günstiger, als die Tanks zur Abgasreinigung nachzurüsten. Doch auch mit einer neuen Software wären die Pkw noch immer weit von den Grenzwerten im Testbetrieb entfernt. Die Luftqualität in den Städten würde also nicht in großem Stil verbessert. Die Forderungen nach Fahrverboten, allen voran in München und Stuttgart, könnte Volkswagen mit der nun angekündigten Maßnahme somit nicht entscheidend entkräften.

Um den Verkauf von alternativen Antriebsarten anzukurbeln, setzt Volkswagen zusätzlich auf eine "Zukunftsprämie": Wer einen mit Erdgas betriebenen Pkw kauft, erhält weitere 1000 Euro, bei Hybrid-Modellen sind es 1785 Euro und bei Elektrofahrzeugen sind es 2380 Euro. Hinzu kommt die staatliche Prämie, die im Fall von E-Mobilen nochmals 4000 Euro ausmacht.

Keine Gültigkeit für Österreich

Finanzielle Anreize für einen Wechsel vom alten Diesel gibt es also zuhauf. Ein rund 36.000 Euro teurer Elektro-Golf von VW wird dadurch um knapp ein Drittel günstiger. Doch gelten die nunmehrigen Prämien nur für den deutschen Markt, sagt der Sprecher der Porsche Holding Salzburg zur APA. Ob es eine derartige Aktion auch in Österreich geben wird, werde derzeit verhandelt. Eine Entscheidung soll "in nächster Zeit" fallen.

Auch Porsche, ebenfalls Teil des Volkswagen-Konzerns, bietet für den Kauf eines neuen SUV eine Verschrottungsprämie an. Im August wird der neue Cayenne vorgestellt. Mittlerweile denken die Stuttgarter jedoch darüber nach, keinen Diesel anzubieten, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Ein aktuelles Modell wurde im Vormonat wegen illegaler Abschalt-Software zurückgerufen, Neuwagen wurden die Zulassung entzogen.