Pjöngjang/Frankfurt. An Europas Börsen treibt die Sorge vor einem bewaffneten Konflikt zwischen den USA und Nordkorea die Anleger weiter um. Der DAX rutschte am Freitag zeitweise und erstmals seit vier Monaten unter die psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten. Gleichzeitig flüchteten Investoren in sichere Häfen wie Bundesanleihen und Gold.

"Obwohl alle Seiten sowohl die USA als auch Nordkorea zur Mäßigung und zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufrufen, ist das zurzeit unwahrscheinlich", sagte Analyst Dirk Gojny von der Essener National-Bank. Etwas Unterstützung lieferten den Börsen schwächer als erwartet ausgefallene US-Preissteigerungen. Sie nährten Spekulationen, dass sich die amerikanische Notenbank mit weiteren Zinserhöhungen Zeit lassen wird.

Im Fokus stand der Schlagabtausch zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un. "Die Drohungen sind bis zu einem Punkt eskaliert, an dem der Markt reagieren musste", sagte Analyst Ric Spooner vom Brokerhaus CMC Markets. Zudem kommen sie Experten zufolge zu einem Zeitpunkt, an dem die sehr schnell gestiegenen Aktienmärkte ohnehin reif für eine Korrektur sind.

Südkoreas Währung gefallen

Der pan-europäische Aktienindex Stoxx600 und sein US-Pendant S&P 500.SPX steuerten am Freitag jeweils auf den größten Wochenverlust des Jahres zu. Weltweit ist durch den Krieg der Worte an den Aktienmärkten innerhalb weniger Tage rund eine Billion Dollar (0,85 Billionen Euro) an Börsenwert vernichtet worden. Gleichzeitig kletterte der als Angstbarometer bekannte Volatilitätsindex VIX auf den höchsten Stand seit dem Wahlsieg Trumps im November.

Hart traf es auch die Börse in Seoul: Der südkoreanische Leitindex fiel auf ein Drei-Monats-Tief, und die Währung des Landes steuerte mit einem Minus von insgesamt mehr als eineinhalb Prozent auf den größten Wochenverlust seit fünf Monaten zu.

Hingegen waren deutsche Bundesanleihen stark gefragt. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf ein Sechs-Wochen-Tief von 0,375 Prozent. "Viele Anleger sind risikoscheu, das hilft deutschen Anleihen", sagte DZ-Bank-Stratege Andy Cossor. Die Antikrisen-Währung Gold war mit 1288,97 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) so teuer wie zuletzt vor zwei Monaten. Auf Wochensicht hat das Edelmetall mehr als zwei Prozent gewonnen.

Am Aktienmarkt trennten sich Investoren vor allem von Finanzwerten, die in den vergangenen Wochen überdurchschnittlich zugelegt hatten. Der Bankenindex büßte 1,3 Prozent ein.