Fed-Chefin Yellens Amtszeit endet im Februar. Möglich, dass sie ihre eigene Nachfolgerin wird. - © reuters
Fed-Chefin Yellens Amtszeit endet im Februar. Möglich, dass sie ihre eigene Nachfolgerin wird. - © reuters

New York. Das hochkarätig besetzte Notenbanker- und Geldpolitikertreffen in Jackson Hole wird von einer drängenden Entscheidung überschattet: Während EZB-Präsident Mario Draghi und Fed-Chefin Janet Yellen im Schatten der Rockies über Geldpolitik fachsimpelten, wurde allgemein gerätselt, wer künftig die US-Zentralbank leiten wird. Selten war die Frage so brisant, denn US-Präsident Donald Trump verfolgt bei der Nominierung klare politische Ziele - und sucht jemanden, der ihm dabei zu Diensten ist.

Yellens vierjährige Amtszeit endet im Februar. "Normalerweise würden wir in den nächsten Wochen eine Wahl erwarten", sagt der Analytiker Stephen Gallagher von der Société Générale. Das Problem, das auch Gallagher bewusst ist: Normal geht es bei Trump selten zu. Zudem gab es zuletzt Gerüchte, sein Favorit könnte den Job ablehnen.

Vor einem Monat hatte Trump seinen Wirtschaftsberater Gary Cohn als Top-Anwärter für den Posten ins Rennen geschickt. Auf die Frage, ob der Ex-Vizechef der US-Investmentbank Goldman Sachs ein Kandidat sei, antwortete Trump: "Er weiß es nicht, aber ja, das ist er." Trump machte jedoch auch Yellen Hoffnung auf eine weitere Amtszeit. Cohn selbst äußerte sich bisher nicht zu dem Thema.

Ist Cohn Trumps Mann?

Ob der ehemalige Investmentbanker für die Aufgabe überhaupt bereitstünde, ist somit unklar - wie beinahe alles, was Trump derzeit politisch anpackt. In der vergangenen Woche gab es sogar Gerüchte, Cohn könnte sich von Trump distanzieren und aus Protest gegen dessen lasche Reaktion auf rechtsextreme Gewalt in der US-Stadt Charlottesville seinen Beraterposten in der Regierung aufgeben. Nach hat er freilich nicht in diese Richtung reagiert. Als langjährige Nummer zwei von Goldman Sachs ist der Spitzen-Manager ohne jede formale ökonomische Ausbildung ein ungewöhnlicher Kandidat, der bei Kritikern im Verdacht steht, vor allem der Banken-Lobby zu dienen. Das dürfte Trump, der bis zur Präsidentschaft selbst keine politische Erfahrung hatte, zwar nicht abschrecken - er hat schon genug unkonventionelle und umstrittene Personalentscheidungen getroffen.

Abzuwarten bleibt aber, ob Cohn wirklich bereit wäre, sich im Rat der Notenbanker als einziger Vertreter ohne fachliche Qualifikation auf die Hilfe seiner Kollegen verlassen zu müssen. Bei Goldman Sachs kommandierte er im hektischen Umfeld der Finanzmärkte Heerscharen von Börsenhändlern. Bei der Fed hingegen herrscht ein akademisches Klima, hier werden keine Deals eingefädelt, sondern Studien gewälzt.