Das Buch der Marshallplan-Experten Günter Bischof und Hans Petschar.  - © Brandstätter Verlag
Das Buch der Marshallplan-Experten Günter Bischof und Hans Petschar.  - © Brandstätter Verlag

Bezahlte Auszeit, alle drei Jahre, bewilligt vom Arbeitgeber. Erzählt man US-Amerikanern von "Bildungskarenz", kann es passieren, dass ihnen die Kinnlade herunter fällt. Dabei ist die Bildungskarenz nur eine von vielen Leistungen, die der österreichische Sozialstaat seinen Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht. Mutterschaftsurlaub, unbegrenzte Anzahl an Krankenstandtagen und mindestens fünf Wochen Urlaub. All das klingt für US-Amerikaner, die meist nicht mehr als zwei Wochen Urlaubsanspruch pro Jahr haben, utopisch.

Fast so undenkbar wie die Tatsache, dass – selbst in Städten wie Wien – Geschäfte und viele Restaurants am Sonntag geschlossen sind, man ab 22 Uhr kaum noch etwas zu essen bekommt, und man am Freitagnachmittag oft niemanden mehr im Büro erreicht.

Nation der Owezahrerinnen oder funktionierender Sozialstaat?

Doch inwieweit geht die Gemütlichkeit, die man den Österreicherinnen und Österreichern nachsagt, mit einem auf Arbeit bezogenen Schlendrian einher? Österreich, eine Nation der Owezahrerinnen und Owezahrer? Oder doch eher ein funktionierender Sozialstaat, der die Last des Neoliberalismus nicht auf die Schultern der Bevölkerung ablädt?

"Österreich hat eine Kultur der langen Arbeitszeiten", sagt Jörg Flecker, Professor für Soziologie an der Universität Wien. Für viele Österreicherinnen und Österreicher beginnt der Arbeitstag um 8 Uhr und endet zwischen 17 und 18 Uhr, mit einer gesetzlichen halben Stunde Mittagspause. "In Dänemark, das aufgrund seiner Größe und seines Wohlstands mit Österreich vergleichbar ist, arbeiten die Menschen fünf Stunden weniger pro Woche", sagt Flecker.

Viele arbeiten Teilzeit

Die durchschnittliche Arbeitszeit in Österreich betrug laut OECD im Vorjahr 35,6 Stunden – in den USA waren es 38,5 Stunden – doch diese Zahlen beinhalten auch die vielen Teilzeitarbeitenden. Fast die Hälfte der Frauen in Österreich arbeitet Teilzeit – laut dem österreichischen Gewerkschaftsbund ist es jedoch vor allem die Vollanstellung, die vor Armut schützt. Denn die sogenannte "Teilzeitfalle" geht mit Nachteilen in Bezug auf die Karriere und Soziales einher, da man beispielsweise in die Pensionskasse weniger einzahlt.