Werden als Trumps Favoriten für den Fed-Chefposten gehandelt:  Kevin Warsh, ... - © reuters
Werden als Trumps Favoriten für den Fed-Chefposten gehandelt:  Kevin Warsh, ... - © reuters

Washington. (ast/dpa) Vor seiner politischen Karriere war Donald Trump TV-Juror - dem Casting-Prinzip bleibt er als US-Präsident treu. Auch die Wahl des nächsten Zentralbankchefs betreibt Trump im Stil einer Talent-Show. Über Monate heizte er das Rätselraten um das Spitzenamt mit öffentlichen Überlegungen und Äußerungen an, um dem Rummel am Freitag die Krone aufzusetzen - in einem Instagramvideo kündigte Trump an, seine Wahl diese Woche bekanntzugeben.

"Es wird eine Person sein, die hoffentlich einen fantastischen Job macht", orakelte er. Wochenlang hatte es zuvor geheißen, Trump habe sich mit diesem Bewerber getroffen oder mit jenem gesprochen. Dann grenzte der Präsident den Kreis immerhin auf drei Anwärter ein: Die Wahl falle laut US-Medien zwischen Fed-Direktor Jerome Powell, Ökonom John Taylor und der derzeitigen Fed-Chefin Janet Yellen, deren Amtszeit im Februar endet. Obwohl rein sachlich für Trump nichts gegen Yellen spricht - sie ist, wie er, für eine lockere Geldpolitik und gegen Banken- und Finanzmarktregulierungen -, drängen prominente Republikaner dazu, Janet Yellen zu ersetzen.

 ...Jerome Powell....
 ...Jerome Powell....

Angestachelt von Trump selbst und von etlichen undichten Quellen in seinem Umfeld, überschlagen sich die US-Medien mit Insider-Geschichten zum Fed-Casting. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass neue Gerüchte und Spekulationen zum künftigen Notenbankchef die Finanzwelt nervös machen. "Yellen ist raus", verkündete das Politikportal "Politico" am vergangenen Donnerstag unter Berufung auf eine nicht namentlich genannte Person, die regelmäßig mit Trump spreche. Ins Rennen kam dafür der Banker Kevin Warsh, der trotz seines relativ jungen Alters von 47 Jahren bereits einmal im Fed-Vorstand war.

... und John Taylor
... und John Taylor

Immer deutlicher zeigt sich, was in Finanzkreisen schon länger gemunkelt worden war: Trumps oberster Wirtschaftsberater, der ehemalige Banker Gary Cohn, ist aus dem Rennen. Der frühere Vizechef von Goldman Sachs galt zunächst als Favorit, soll beim Präsidenten aber in Ungnade gefallen sein, nachdem er dessen lasche Reaktion auf rechtsextreme Gewalt in Charlottesville kritisiert hatte.

Den meisten Medien zufolge machen vornehmlich Powell und Taylor die Sache unter sich aus. Der oft gut informierte Finanzdienst Bloomberg sieht dabei einen klaren Favoriten: Trump favorisiere laut Insidern den Juristen Powell. "Ich habe jemand sehr Besonderes im Sinn, ich glaube alle werden sehr beeindruckt sein", fachte Trump die Spannung in seiner Video-Ansprache weiter an. Auch bei den Buchmachern hat Powell klar die Nase vorn. Bei der Wett-Website PredictIt standen seine Chancen am Sonntag bei 76 Prozent, Ökonomie-Professor Taylor lag abgeschlagen bei 13 Prozent.