Rüsselsheim. Opel soll unter Führung seiner französischen Muttergesellschaft PSA Peugeot Citroen neue Märkte außerhalb Europas erobern. Bis 2022 werde der Autobauer auf rund 20 weiteren Exportmärkten tätig sein, kündigte der neue Opel-Chef Michael Lohscheller am Donnerstag in Rüsselsheim an, wo er genau hundert Tage nach der Übernahme durch Peugeot den mit Spannung erwarteten Zukunftsplan präsentierte. "Opel wird global werden - endlich", meinte Lohscheller. Die frühere amerikanische Opel-Mutter General Motors hatte die Rüsselsheimer auf Europa beschränkt und damit wichtiger Wachstumschancen beraubt.

PSA-Chef Carlos Tavares nahm bei der Analyse des seit Jahren Verluste schreibenden Unternehmens kein Blatt vor den Mund: "Opel ist in einer dramatischen Lage. Es darf keine Zeit verschwendet werden." So wäre der Autobauer derzeit nicht in der Lage, das Ziel von 95 Gramm Kohlendioxidausstoß je Kilometer zu schaffen, und müsste nach jetzigem Stand empfindliche Strafen zahlen. Erst am Mittwoch hatte die EU-Kommission eine weitere Absenkung der CO2-Grenzwerte um 30 Prozent bis 2030 gefordert, um die Autobauer zu mehr Klimaschutz zu zwingen. Analysten ahnen nichts Gutes: "Wir glauben, die Finanzen sind schlimmer, als PSA das erwartet hatte", schrieben die Analysten von Bernstein Research. Für die Bilanz 2017 im Februar seien "hässliche Zahlen" zu erwarten.

Keine Werksschließungen

Ohne Werksschließungen und Kündigungswellen soll Opel laut PSA nach jahrelangen Verlusten wieder flottgemacht werden. Der Opel-Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall wollen das Versprechen, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten, vertraglich festhalten. Auf dem Tisch liege eine Beschäftigungszusage bis 2020, sagte Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. Die frühere Opel-Mutter General Motors hatte betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2018 ausgeschlossen. Dennoch werden Stellen über Abfindungen und Altersteilzeit abgebaut - wie viele, ist noch nicht bekannt.