Palo Alto. (leg/ag) Die letzten Wochen und Monate sind für Elon Musk nicht leicht gewesen. Der Chef des US-amerikanischen Elektroautoherstellers Tesla hatte mit seiner Firma einen Rekord-Quartalsverlust zu verkraften: Von Juli bis Ende September fiel ein Minus von 533 Millionen Euro an. Schuld daran waren vor allem die hohen Kosten für das Vorzeigeauto des Konzerns, das Model 3, mit dem Musks Firma, die bisher nur im Luxussegment etabliert ist, den breiten Markt erobern will. Lediglich 260 dieser Autos hatten im dritten Quartal die Fertigungshallen verlassen - eigentlich sollten Ende des Jahres 5000 Model 3 pro Woche vom Band laufen.

Auch der Umstand, dass jüngst viele negative Berichte über die schlechte Verarbeitung des neuen E-Autos erschienen sind - so gibt es etwa Probleme bei diversen Fugen im Inneren des Model 3 und der Gummierung bei den Fenstern -, hatte den Druck auf Musk erhöht. Denn Tesla lebt vor allem von seinem Versprechen, die Zukunft des Automobils zu verkörpern - und nicht von seinen eher noch mageren Gewinnspannen.

Umso wichtiger war für Musk die Präsentation der neuesten Entwicklung seines Konzerns: Des "Tesla Semi", eines Elektro-Sattelschleppers, der mit voller Beladung bei einem Gewicht von 40 Tonnen eine Reichweite von rund 800 Kilometern erreichen soll. Seine Produktion soll 2019 starten. Mit ihm will Tesla das Lastwagen-Geschäft aufmischen.

Anleger dürfen nicht abspringen

Dass Musk als Marketing-Genie gilt, stellte er bei der Präsentation des Tesla Semi wieder unter Beweis - nämlich als sich, umrahmt von dramatischer Musik, zur Überraschung der Zuseher die Tür eines Lkw-Anhängers öffnete - und ein roter Sportwagen herausrollte. Der Roadster 2, der 2020 verfügbar sein soll, werde "das schnellste Serienauto aller Zeiten" sein, verkündete Musk. Er soll in 1,9 Sekunden von null auf 60 Meilen (96 km/h) beschleunigen.

Dass Musk die Lkw-Präsentation mit einem neuen Roadster "würzte", gilt als Marketing-Schachzug. Angesichts der gegenwärtigen Probleme hat es Tesla auch bitter nötig, sein Image als Branchenpionier zu pflegen, damit die Anleger nicht abspringen - jedenfalls so lange nicht, bis sich zählbare Erfolge einstellen.

Ob das mit den neuen Modellen klappen wird, wird sich zeigen. In der Lkw-Branche zählt jeder Cent. Tesla wird nur konkurrenzfähig sein, wenn sich der Betrieb des Semi, für den kein Preis genannt wurde, rechnet - samt den Betriebskosten für Wartung und Reparaturen. Laut Musk ist das der Fall: Er betonte, dass Diesel-Lkw pro Kilometer um 20 Prozent teurer seien.