Washington. US-Präsident Donald Trump steht mit seinen Plänen für eine Steuerreform kurz vor dem Ziel - und damit vor der wohl größten Errungenschaft seiner bisherigen Amtszeit. Bereits am heutigen Dienstag sollen die Abstimmungen über einen Kompromissentwurf beginnen, auf den sich die Republikaner in Senat und Abgeordnetenhaus in der vergangenen Woche geeinigt hatten. Da die Konservativen offenbar die nötigen Stimmen zusammenhaben, könnte Trump das Paket mit Steuersenkungen im Umfang von knapp 1,5 Billionen Dollar (1.270,54 Milliarden Euro) noch vor Weihnachten unterzeichnen.

Trump feierte das Vorhaben am Wochenende als "historisch" und "fantastisch" für die USA. Im Mittelpunkt des 500 Seiten starken Entwurfes steht eine massive Senkung der Ertragssteuer für Unternehmen von bisher 35 auf 21 Prozent. Auch die meisten übrigen Steuerzahler können davon ausgehen, dass sie zumindest vorübergehend weniger Geld an den Fiskus abführen müssen. Allerdings profitieren die Reichen entgegen den Erklärungen Trumps deutlich stärker als die Ärmeren und die Mittelschicht.

Dafür nehmen die Republikaner im Widerspruch zu ihrem Wahlprogramm 2016 eine starke Aufblähung des Budgetdefizits in Kauf: Der überparteiliche Steuerausschuss des Kongresses geht von einem Anstieg in Höhe von einer Billion Dollar im Zeitraum von zehn Jahren aus.

Zweifel bleiben bestehen

Die Verfechter sagen, dass das wegen der Steuererleichterungen zu erwartende Wirtschaftswachstum Einnahmeverluste zum großen Teil wettmachen werde - eine von unabhängigen Wirtschaftsexperten stark angefochtene Einschätzung. Höchst umstritten ist auch die Argumentation der Republikaner, dass sich die Steuererleichterungen für Unternehmen in höheren Löhnen niederschlagen würden.

Die Demokraten halten den Entwurf für eine Mogelpackung, die Firmen und Reiche bevorzugt, und wollen die Vorlage geschlossen ablehnen. Das heißt, die Abstimmung dürfte entlang der Parteilinien verlaufen. Die Republikaner haben in beiden Häusern des Kongresses die Mehrheit. Im Senat ist sie mit 52 zu 48 Stimmen aber äußerst knapp. Am Freitag lenkten jedoch zwei republikanische Senatoren, die mit ihrer Ablehnung gedroht hatten, ein.

Einer von ihnen ist Ex-Präsidentschaftsbewerber Marco Rubio, der im Gegenzug zu seiner Zustimmung höhere Steuergutschriften für Kinder aushandelte. Der Entwurf sieht neben der Senkung der Unternehmenssteuern deutlich höhere pauschale Freibeträge für Einzelpersonen und Paare vor. Aber dafür können zahlreiche Ausgaben nicht mehr von der Steuer abgesetzt werden. Das könnte für Steuerzahler mit mittleren Einkommen sogar bedeuten, dass sie am Ende stärker zur Kasse gebeten werden.